Rosenheim – „Mein sind die Tage nicht, die mir die Zeit genommen, mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen! Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht, so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.“ Mit diesen Zeilen des Barockdichters Andreas Gryphius lädt der Rosenheimer Künstler und Galerist Alfons Röckl zu seiner „Geburtstagsausstellung“. Röckl, Jahrgang 1938, munter wie eh und je, zeigt in seiner „Kleinen Werkraumgalerie“ in der Rosenheimer Heilig-Geist-Straße mit rund 50 kleinen und mittelformatigen, weitgehend neuen Bildern in unterschiedlichen Techniken optisch-lyrische Einblicke in sein Leben.
Neben Gryphius zählen zu seinen literarischen Hausgöttern Laotse, Franz von Assisi, Cervantes, Heinrich Heine, Hermann Hesse oder Rose Ausländer. Deren Gedichte säumen manche Bilder der Ausstellung, die im Flur mit der Präsentation „Meine Kleinen“ beginnt. Hier präsentiert Röckl eine Anzahl seiner Miniaturen. Auf einem Türblatt im kleinen „Foyer“ sind die Abbildungen zweier Frauen zu sehen, die für Röckls Jugend prägend waren: Großmutter Elisabeth und Tante Maria.
Dort hängt auch das Werk eines der beiden Künstlerfreunde als Gratulation: ein dunkel gehaltenes abstraktes Mittelformat des Malers Rudolf Wolfbeisser. Der andere Gratulant, Peter Pusch, zeigt im hinteren Raum drei abstrahierende florale Motive in Ölkreide auf Papier.
Röckl kreiert gerne kleine eher dunkle Szenerien, die er mit einem kurzen Text versieht, und schafft so fast intimen Kontakt zum Bild. Ein Beispiel: „Als mich einmal ein weißer Engel besuchen wollte und ich nicht Zuhause war“. Manchen von Röckls Bilder wohnt neben einem gewissen Zauber auch etwas Entzauberndes, Zweifelndes inne. Auf einem etwa Din-A-3-großen Untergrund hat er eine Reihe von kurzen Geschichten aus seiner Kindheit wiedergegeben, schriftliche Schnappschüsse aus dem Rosenheim der 1940er-Jahre, etwa vom Rosenheimer Holzhof, dem heutigen Luitpoldpark. „Hinter dem Stacheldraht waren Männer, teilweise verwundet mit weißen Verbänden am Kopf. Man sagte mir, ich dürfe mit diesen Männern nicht reden, es seien Feinde. So blickte ich stumm auf die Leute. Ein kleiner dunkelhaariger Mann aber lächelte mich an.“
Röckls Bilderwelt zehrt vermutlich auch von solchen Erlebnissen. Da sind helle, mittelformatige Bilder, die den kompositorischen Anspruch abstrakter Malerei gekonnt erfüllen, also die Fläche beherrschen, da sind gegenständliche Arbeiten unterschiedlichster Inhalte, manche Figuren mit schwarzstrichigen Rouault’schen Konturen umfasst, da sind postkartengroße Preziosen voller kryptischer Anspielungen. Aber dieses Verborgene in seinen Bildern ist kein Geheimkult, sondern soll zum Sich-Einlassen mit den Werken auffordern.
In seiner Laudatio würdigte Wolfbeisser seinen Kollegen als Lyriker und Geschichtenerzähler mit dem Pinsel, als der Wahrheit verpflichteter Vermittler von Lebensweisheiten und Werten des Menschseins. Den Besuchern legte er ans Herz: „Treten Sie ein in die Welt des Alfons Röckl.“
Noch bis 20. Oktober in der Heilig-Geist-Straße 4/I, mittwochs bis samstags von 16 bis 19.30 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 08031/32241. hh