Ein Geburtstag mit Pauken und Geigen

von Redaktion

Zum fünfjährigen Bestehen: Orgelmittwoch in Kolbermoor diesmal mit Kammerorchester

Kolbermoor – Die Orgel der Pfarrkirche Wiederkunft Christi wird fünf Jahre alt, genauso alt ist die Konzertreihe „pizzicato“, die den Orgelbau mitfinanziert, genauso alt ist die Reihe des monatlichen Orgelmittwochs, und seit zwanzig Jahren amtiert Gerhard Franke als hauptamtlicher Kirchenmusiker in dieser Kirche: wahrlich Gründe genug zum Feiern. Und gefeiert wurde mit Pauken und Geigen. Franke hatte sich das Kammerorchester Kolbermoor eingeladen und dazu die Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock, Barockspezialistin und musikalische Leiterin des Opernfestivals auf Gut Immling. Die Kirche platzte fast vor Zuhörern.

Gespielt wurde aber nichts Barockes, sondern Romantisches und Modernes. Hochromantisch-französisch sind das Andantino g-Moll und der Choral a-Moll von César Franck (1822 bis 1890) für Orgel, ersteres ein gemessener Schreittanz, von Franke reizvoll registriert und genüsslich vorgetragen, letzteres ein Stück mit längerem Atem: Nach unruhig flackerndem Toccata-Beginn ertönt ein weitausholender feierlicher Choral, den Franck selbst komponiert hat, von Franke nicht ganz so feierlich intoniert, aber für die große Schlusssteigerung hatte er die richtige Disposition.

Auch Ottorino Respighi (1879 bis 1916) hat für die Orgel komponiert. Allerdings fügt die sich organisch in den süffigen Respighi-Sound ein in der Suite all’antica, aus der das Preludio und die Aria erklangen – das Preludio mit schwungvoller Grandezza, die Aria elegisch singend mit weitgespannter Streicher-Kantilene und einem satten Klang, der sich ins Pastos-Pathetische steigert. Die Orgel gibt dabei gleichsam den Weihrauch dazu. Die Streicher des Kolbermoorer Kammerorchesters produzierten einen flüssig-vollen, ja schwelgerischen Klang.

Überraschendes Hauptstück des Abends war das Concerto für Orgel, Streicher und Pauken von Francis Poulenc (1899 bis 1963). Dieses höchst fantasievolle und abwechslungsreiche Concerto bietet reizvolle Gegenüberstellungen, ja Konfrontationen der Klangbilder von Orgel und Streicher samt präzise und vibrierend-donnernder Pauke, von Barbara Öttl meisterhaft geschlagen. Explosive Klangballungen treffen auf ätherische Orgelklänge, wild erregte Gezacktheiten auf schillernde Streicherglissandi, fröhliche Kirmes-Ausgelassenheit trifft auf süßen Bratschengesang – und alles endet mit einem buchstäblichen Paukenschlag.

Gerhard Franke meisterte die verlangte Virtuosität, brachte punktgenau alle Orgeleinwürfe und die Orgel zum festlichen Glitzern und Glänzen, Cornelia von Kerssenbrock animierte das Kammerorchester, in dem nur die beiden Celli nicht immer klanghomogen waren, mit anfeuernder Gestik und ansteckendem Temperament zur Höchstleistung, die rasenden Läufe und energisch angerissenen Akkorde gelangen gut. Das Publikum applaudierte herzlich und lange. Es war ein außergewöhnlicher Orgelmittwoch, klangsinnlich und fröhlich, feierlich und voller Überraschungen.

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