Rosenheim – Eine Choralmesse, die mit Feuer und Begeisterung gesungen eine Brücke zwischen europäischer Kirchenmusik und afro-brasilianischen Rhythmen schlug, erwartete die Zuhörer in der alt-katholischen Allerheiligenkirche. Zu Gast war die Chorgemeinschaft Bruckmühl samt Instrumentalisten und einer Sopransolistin.
Auf dem Programm stand die in Deutschland nur selten aufgeführte „Missa Brasileira“ des in Brasilien geborenen Musikers Jean Kleeb – eine lateinische Choralmesse mit Band und beschwingten Rhythmen.
Mehr als 150 Zuhörer hörten anfangs das Samba-Stück „Encontros do Brasil“, ebenfalls von Jean Kleeb, gesungen von der Sopranistin Dagmar Gareis. Begleitet wurde sie hier und auch in der Folge am Clavinova von Konrad Liebscher, Kirchenmusiker in Bad Aiblings Stadtkirche, von Thomas Laar am Kontrabass, Dietgard Luber am Violoncello sowie von Schlagzeuger Martin Heisl und Cajon-Spielerin Benedikta Klein. Nach dem portugiesischen Liebeslied „Eu sei que vou te amar“ folgte schließlich die „Missa“.
Völlig ungewohnt für eine lateinische Choralmesse konnten sich die Zuhörer nun einstellen auf Bossanova-Rhythmen, Samba-Klänge und verschiedenste mitreißende Taktfolgen, die freilich dem Chor allergrößte Konzentration und Leistung abverlangten. Während das Kyrie noch recht verhalten daherkam, brandete das Gloria geradezu auf in Wucht und Temperament. Gerade in diesen Bereichen, zum Beispiel im meditativen „Quoniam“ und auch dem „Sanctus“, konnte die Sopranistin ihr Können zeigen: Mit bewundernswerter Leichtigkeit erreichte sie die Höhen und bewahrte dabei jederzeit die notwendige Zartheit der Melodieführung. Zentrale Interpreten der Choralmesse aber waren nun zweifellos die Chormitglieder aus Bruckmühl und Umgebung, dirigiert und geführt von Susanne Reitinger.
Vor allem die mitreißende Dynamik, das gefühlvolle Ausdrücken von lautem Jubel und gleich danach behutsamstem Piano gelang hervorragend. Zwischendurch wurden von Chormitgliedern auch wieder erklärende Texte und Impulse verlesen. Den Schluss bildete dann das nachdenkliche „Agnus Dei“ mit einem geradezu betörenden Aufruf zum Frieden und zur Friedensgesinnung: „Dona nobis pacem“.