Edling – Sollte jemand Bedenken gehabt haben, dass in eine musikalische Veranstaltung für Erwachsene nach der Pause ein reines Kinderkonzert hineingepackt wird, den beruhigte Moderator Peter Hanusch mit den launigen Worten, es sei „statistisch und wissenschaftlich“ erwiesen, dass (zumindest) Männer lebenslang Kinder blieben…
Das Publikum beiderlei Geschlechts füllte erwartungsfroh das Krippnerhaus bis auf den letzten Platz, denn die vielen Fans hatten genug Erfahrungswerte, um zu wissen, Yume Hanusch, die Initiatorin von „Klassik im Krippnerhaus“ und „Klassik junior“, würde wieder für ein buntes Programm sorgen mit Witz, Sentiment und Pfiff.
Immerhin, Yume Hanusch – als Pianistin – hat eine Elitetruppe zur Hand, deren Teamgeist aber nicht individuelle Entfaltung und kreatives Profil ausschließt.
Alice Guinet entlockt der Flöte quirliges Staccato wie auch beseelte Melodie, selbst in höchster Höhe immer mit rundem, weichem Ton ohne jede Schärfe.
Livia Teuer zeigt virtuos, dass die Klarinette ein wahrer Tausendsassa sein kann, wenn ein souveräner Meister (pardon: Meisterin!) sie im Griff hat!
Als wahre „Grande Dame“ des Cello agiert Birgit Saßmannshaus mit überlegener Ruhe, auch wenn die Rhythmen heißlaufen und das Tempo sich zu überstürzen scheint. Makellos bleibt ihr edler Ton in jeder Lage.
Als Begleiterin sowie solistisch war Yume Hanusch mit vollen Händen beschäftigt. Zwei Piécen für Klavier solo verhalf sie zu brillanter Wirkung: Fazil Fay, der hochgelobte türkische Pianist und Komponist, hat Mozarts „Türkischen Marsch“ auf subtile Art ins Jazzige abgebogen. Ein geistvoller Jux! Und der Italiener Ludovico Einaudi hatte seine „Elegy for the Arctic“ zugunsten von Greenpeace mit dem Konzertflügel gleich auf der arktischen Eisscholle uraufgeführt. Auf große Leinwand projiziert, bot das Bild dieses Events eine stimmungsvolle Beigabe zu Yume Hanuschs beseeltem Klavierspiel.
Ein Reigen diverser Komponisten vervollständigte den ersten Teil des Konzerts – von Strawinsky ging’s über Saint-Saens, Scott Joplin, Debussy und Benny Goodman bis zu Charles Chaplin. Jawohl, Chaplin hat auch komponiert, und so bot sich der unsterbliche Filmtitel „Moderne Zeiten“ wie von selbst als Motto an.
Der für den zweiten Teil des Abends angekündigte „Feuervogel“ hatte nichts mit Igor Strawinskys berühmtem Ballett zu schaffen. Doch bei dem für Kinder konzipierten Programmpunkt kamen weitere unverzichtbare Akteure ins Spiel: Max Dietrich, der liebevoll bedächtige Erzähler der von Yume Hanusch ersonnenen Story, die fantasievoll-unaufdringliche Percussionistin Christine Krebs und schließlich die Malerin Katja Lichtenauer, deren per Powerpoint präsentierte Bilder der Geschichte die richtige Farbe gaben. Das aus dem Ei geschlüpfte, zunächst nicht recht identifizierbare Federvieh „Igor“ entpuppt sich als der scheinbar verschollene Sprössling des Feuervogels, der sich vom argen Wüterich nun zum sanften „Papa“ mausert.
Auch der rosarote Panther war zu hören
Das Quintett garnierte das Geschehen mit einer Vielzahl kurzer und passender Stücklein, in denen auch der rosarote Panther seinen skurrilen Auftritt haben durfte. Als dann als Zugabe noch der Ohrwurm aus „Miss Marple“ zum Kehraus blies, war den Begeisterungsstürmen nicht mehr Einhalt zu gebieten…