Wasserburg – Wieder einmal hat Peter Adler bisher Unbekanntes aus dem Schatz der Kompositionen Abraham Megerles hervorgeholt und in der Stiftskirche von Attel mit seinem Ensemble Concenti Musicali aufgeführt. Die geradezu wissenschaftliche Akribie solcher Tätigkeit umzusetzen in Hörbares: Da wissen wir um die Qualitäten seines Ensembles, des Chores, der Personen an alten Instrumenten wie Barockposaunen, Streichern, Theorben, Zinken, der hervorragenden Gesangssolisten. Dies sei nun mal, wie auch diesmal offenbart, als selbstverständlich vorausgesetzt; und so soll das Augenmerk hauptsächlich auf die Komponisten selbst gelenkt werden.
Denn nicht nur Megerles Werk war zu hören, auch die Wiege solcher Musikgattung aus dem Frühbarock, die Musik der Großen aus Italien wie Monteverdi und dessen Zeitgenossen wie Alessandro Grandi. Und so bot sich an, zu werten: Wo sind Unterschiede unter Komponisten gleicher Zeiträume zu vermerken?
Megerles Stil ist eingebettet in den Stil der damaligen Zeit, mitunter experimentiert er innerhalb seiner gewohnten Bahnen; strahlt in fast permanentem Dur, wechselt seltener die Tonart, ja bisweilen gibt er sich bayerisch volkstümlich. Direkt ist seine Tonsprache. Was wäre jetzt von den Italienern zu sagen?
Deren Musik pulsiert oft herb zwischen Dur und Moll – die Sonne des Südens erlaubt dies. Das erfrischt durch großen Atem, sodass man als Hörer ebenso befreit aufatmet, wenn sich der Komponist über Grenzen hinwegsetzt: Monteverdi hat dies vorgemacht, und Größe manifestiert sich. So ein unmittelbarer Eindruck.
Da bleibt Megerle wohl etwas in seinem Stil gefangen, ist verliebt in die sich wiederholende Form, in die er gleichwohl souverän Variabilität hinein zaubert.
Doch was ist der Eindruck abseits aller forschenden Betrachtungsweise von solcher Fülle der Töne – und auch oftmals der Längen wie in seinem „Miserere“ , in dem Megerle noch einmal alles hervorholt, was er kann? Der Zuhörer hat Mühe, die Spannung zu halten für aktive Rezeption.
Man staunt fürwahr, wie der Chor, die Solisten, die Instrumentalisten, während zweistündiger Performance – allerdings mit Pause – solche Spannung halten können. Das ist nur möglich mit Begeisterung am Tun. Posaunen, Theorben, Streicher verströmten Unglaubliches an Klangreinheit im akustischen Hintergrund des Geschehens, von den Singstimmen ganz zu schweigen. Aber das ist mittlerweile schon die Regel bei Peter Adlers Concenti Musicali.