Rosenheim – Ihre harmlos-frivolen, heiter-naiven Texte und die flotten, zum Mitsummen animierenden Melodien haben die Schlager der 30er-Jahre unsterblich gemacht und wenn sie dann noch von einem jungen Ensemble auf solch frische, charmante und vergnügliche Art präsentiert werden, wer kann da noch widerstehen? Die aus fünf Frauen und einem Mann bestehende Formation mit dem sinnigen Namen „Damenwahl“, gab im Rosenheimer Ballhaus ein heftig umjubeltes Benefizkonzert. Veranstalter waren die Rosenheimer Soroptimistinnen, die den Erlös des Abends für den Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim verwenden.
Franziska Strohmayr und Therese von Bemberg (Violine), Magdalena Fuchs (Klavier), Beatrice Holzer-Graf (Violoncello), Sopranistin Alice Depret und als Hahn im Korb Tenor Markus Ennsthaller hatten für ihr buntes, abwechslungsreiches Programm Lieder von zwei Komponisten ausgesucht, die in den 20er und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts große Erfolge feierten. Werner Richard Heymann (1896 bis 1961) und Hermann Leopoldi (1888 bis 1959) komponierten für die Salons und den Tonfilm viele Schlager, die noch heute Ohrwürmer sind. Beide mussten vor den Nazis aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach Amerika emigrieren, wo sie an ihre Erfolge anknüpfen konnten.
Mit „Hallo, du süße Frau“, dem Evergreen aus dem Film „Die drei von der Tankstelle“ stimmte Markus Ennsthaller das Publikum auf den amüsanten Abend ein. Zu Herzen ging „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“, das Alice Depret mit leiser Wehmut und Sehnsucht in der Stimme zu Gehör brachte. Im Schlager „Elisabeth“ bot nicht nur die flotte Melodie, sondern bereits der witzige Reim mit „Elisabeth“ und „Isarbett“ Anlass zum Schmunzeln. Sentimentale Wiener Lieder wechselten mit tänzerisch schwungvollen Arrangements, etwa dem Schlager „Frauen sind zum Küssen da“, in dem Alice Depret und Markus Ennsthaller nicht nur mit gesanglichen, sondern auch mit schauspielerischen Qualitäten glänzten. Melodisch lieblich klang der Tango „Eine Nacht in Monte Carlo“, ruhig und sanft „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“.
Mit viel Sinn für Situationskomik sang Markus Ennsthaler nach der Pause, in der das Publikum von den Soroptimistinnen bewirtet wurde, das heftig beklatschte Lied „I am just a quiet drinker“, melodischen Schmelz verströmten die Streicher in „Je l´aime je l´adore“. In dem Song „Wir zahlen keine Miete mehr“ amüsierte einmal mehr der zeitlos originelle Text. Ein humoristischer Höhepunkt des Abends war „Ach, Sie sind mir so bekannt“, in dem die beiden Sänger die Pointen in Gestik und Mimik witzig in Szene setzten. Die Sänger harmonierten auch hervorragend im Duett „A warmer Ofen“, in dem sie zudem akrobatische Leistungen vollbrachten. Nach so viel heiter gesanglicher Ausgelassenheit spendeten die Zuhörer am Ende begeistert Applaus, für den sich das Ensemble noch mit zwei Zugaben bedankte, darunter „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ aus „Die drei von der Tankstelle.“