Rosenheim – Jeder Österreicher ist per se schon ein geborener Kabarettist, noch mehr, wenn er Wiener ist. Severin Groebner, gebürtiger Wiener, ist ein Musterbeispiel dafür. In einer Art im gestreiftem Schlafanzug steht er im Rahmen der Rosenheimer Kleinkunsttage auf der Bühne im gut gefüllten Lokschuppen, umgehängt eine quadratische Ukulele, der er oft schräge Akkorde entlockt, und droht: „ Morgen geht die Welt unter. Um 9.48 Uhr.“ Was tut man bis dahin? Als Severin Groebner philosophiert man sich bis dahin durch die Kulturgeschichte nach seinem Motto: „Wahrheit ist eine Art Sprechdurchfall“. So heißt sein Programm kalauernd „Der Abendgang des Unterlands“.
Als echter Wiener und damit Weltuntergangsspezialist hat er eine Liebesaffäre mit der Krise, bedauert die Götterdämmerung der olympischen Götter („Hermes hat nun eine florierende Päckchenfirma und Apollo ein Brillengeschäft“) und erforscht alle bisherigen Weltuntergänge, angefangen von der biblischen Apokalypse, endend beim Untergang der „Titanic“. Witzigerweise schlingert ein ominöser Taxigutschein durch das ganze Programm, dient oft als Episoden-Pointe, gliedert so das Programm und beschließt es auch. Dieses Programm ist eine skurrile Kompilation aus Religion, Philosophie, Kulturgeschichte, Verschwörungstheorien und Wortwitzen. Es beginnt etwas langsam, steigert sich aber immer mehr und wird nach der Pause recht furios in Temperament und Witz.
So beklagt er, dass der Mensch seine Orientierungslosigkeit mit Postlogik bekämpfe, sucht gagreich einen Titel für einen möglichen Lebens-Ratgeber, macht sich lustig über verschrobenste Verschwörungstheorien, indem er diese durch Häufung ulkig auf die Spitze treibt, gerät zwischendurch in Zorn über die hasserfüllten „Werteverteidiger“, schwärmt sarkastisch vom Urlaub in einer Diktatur und zerstört mit seiner wüsten Herkunftsgeschichte die Ideologie einer nationalen Identität: „Meine Nation ist die Kombination!“
Groebner mäandert sehr bildungsbewusst durch die Kulturgeschichte und behauptet als echter Österreicher, am schönsten und lässigsten und mit viel Schmäh sei die K.-u.-k-Monarchie untergegangen: „Gemmer halt a bissl unter!“. Aber natürlich hoffe man, „dass die eigene kleine heile Welt – noch eine kleine Weile hält“. Was bleibe dann von der Welt? Scherben – wie von den Sumerern – und Plastik.
Dazwischen streut Groebner in schlaksig-verzerrter Körperverkrümmung ganz merkwürdig-kuriose Songs von echt österreichischer Absurdität. Und meint am Ende, vielleicht gehe nicht die Welt unter, sondern nur unser Weltbild. Echt munter philosophisch.