Raubling – Der Bär war los im vollen Saal des Huberwirts in Raubling, losgelassen von Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der zwei Einakter von Anton Tschechow mit drei renommierten bayerischen Volksschauspielern inszeniert hatte: „Da Heiratsschwindler“ und „Da Saubär“ – auf Bairisch, weil Gerhard Loew diese beiden Stücke in ein äußerst derb-deftiges Bairisch übersetzt hatte. Michaela Döser und Tina Aschl und vom Wendelsteinkalender hatten die Inszenierung nach Raubling geholt.
Corinna Binzer, Johann Schuler und Sepp Schauer konnten hier mal völlig die Sau – respektive den Bären – rauslassen. Schuler versuchte da in langverdruckster Körperverknotung und mit Gliederreißen, Schnappatmung und Herzrasen seinen Heiratsantrag anzubringen bei Corinna Binzer, der hantigen, gschreierten und redseligen Bauerstochter, die sich ungeniert schneuzt und dann den herausgeschneuzten Nasendreck in die Schürze schmiert: herrliches Schmierentheater! Weil die beiden Widerspruchsteufel sich zweimal dickschädlig streiten und darüber Schuler auch noch beinahe stirbt, wäre dieser Heiratsantrag fast nicht zustande gekommen. Aber wer streitet, gehört schließlich zusammen.
Hatte Sepp Schauer als Brautvater hier noch eher eine Nebenrolle, war er dann der „Saubär“, ein hartnäckiger Schuldeneintreiber, der bei einer Witwe sein Geld wiederbekommen möchte. Dieser Streit steigert sich bis zu einem Fast-RevolverDuell. Doch Wut wandelt sich in Liebe: Happyend. Sepp Schauer bestach hier weniger durch saubärige Präpotenz als durch hartnäckige Penetranz, während Corinna Binzer ihren anfangs schön herausgespielten hochnäsigen Bäuerinnen-Stolz am Ende schmelzen ließ. Johann Schuler mimte hier den etwas gschert-frechen Knecht.
Die Schauspieler müssen schon beim Einstudieren einen Heidenspaß gehabt haben, dieser Spaß übertrug sich eins zu eins auf das äußerst lachbereite Publikum. Zu belachen gab es auch einige lustige Regieeinfälle, so ein Bild, das schief hängt und beim Geradehängen das Kreuz verschiebt (Loriot lässt grüßen), einen völlig zerfetzten Putzlappen, einen Tisch, der ständig beim Reden verschoben wird, vor allem auch Johann Schuler, der beim „Saubär“ in jeweils verschiedenen Kopfbedeckungen durchs Bild schleichen, schlurfen und hinken darf als jeweilige Verkörperungen des Hörensagens.
Noch Restkarten für Zusatzvorstellung
Restkarten für die Zusatzvorstellung am Samstag, 11. November, um 20 Uhr beim Huberwirt in Raubling, gibt es noch am Schalter im OVB-Medienhaus, Hafnerstraße 5 – 13, in Rosenheim.