Kolbermoor – In der Swing-Ära, der Glanzzeit des Big-Band-Jazz, die von den späten 20er-Jahren bis in die 40er-Jahre währte, war der Jazz vor allem Musik, zu der in den großen „Ballrooms“ getanzt wurde. In diesem Sinne hatte die Aiblinger Big Band zu ihrem Jahreskonzert mit dem Motto „A Night At The Ballroom“ die Tanzschule „Elephant Swing“ aus Traunstein mitgebracht und verwandelte den Kolbermoorer Mareissaal in solch eine Lokalität. Bald schon füllte sich deshalb die Tanzfläche vor der Band mit vielen weiteren Paaren.
Frisch und dynamisch interpretierte das 22-köpfige Orchester überwiegend Hits bekannter Big Bands, zum großen Teil in den Original-Arrangements. Gleich die erste Nummer, Glenn Millers „In The Mood“, das wohl bekannteste Stück der Swing-Ära, gab da die Richtung vor. Bernd Schmid, der musikalische Leiter der Band, führte unterhaltsam durchs Programm und griff solistisch zur Klarinette, wenn er etwa bei „Down South Camp Meeting“ in die Rolle des King of Swing, also Benny Goodmans schlüpfte oder bei „Bag Bay Shuffle“ in die Rolle Artie Shaws, des anderen großen Klarinettisten des Swing.
Weitere Hits namhafter Big Bands dieser Ära wurden gespielt: So kam die souveräne Sängerin Anna-Maria Widmann unter anderem in Duke Ellingtons schnellem Swing „It Don’t Mean A Thing“ zum Einsatz, während ihr lässig swingender Gesangskollege Alfred Küchenmeister in Tommy Dorseys „Marie“ brillierte und Hans Demberger in der Rolle Dorseys ein authentisches Posaunensolo blies. Beide Vokalisten waren neben ihren Solodarbietungen auch im Duett zu hören, etwa in Glenn Millers „Perfidia“ oder in dem durch die Andrew Sisters bekannt gewordenen jiddischen Swingsong „Bei Mir Bist Du Shein“.
Neben exakten Bläsersätzen und swingenden Riffs mit Leadtrompeter Reinhard Matthay gab es auch einige Soloimprovisationen. „Splanky“ beispielsweise, ein Blues der Count-Basie-Band, bot mehreren Solisten Raum für ihre Chorusse. Raphael Dreifuß am Tenorsax und der junge Trompeter Anjan Feyrer waren da unter anderem zu hören.
Immer wieder erhielt die Pianistin Susi Weiss aus dem Publikum begeisterten Zuspruch, wenn sie solistisch tätig war. Zusammen mit dem Bassisten Uli Weber, dem Schlagzeuger Tobias Weber und dem Gitarristen Fritz Federkiel bildete sie eine groovende Rhythmusgruppe.
Federkiel überzeugte zudem mit rockigen Gitarrensoli in moderneren Stücken wie „Mambo Rock“, in dem auch Regina Kluge am Tenorsaxofon ein heißes Solo blies. Zu den Hits, die stilistisch über die Swing-Ära hinausgingen, zählten zudem ein Samba und das schöne melancholische Lied „L’Iitaliano“, das der Trompeter Armando Bolzonaro in Originalsprache extra für die italienischen Wirtsleute im Mareissaal sang.
Viele Growl-Effekte in dem von Duke Ellington entwickelten Jungle-Style erweiterten im furiosen und exotisch klingenden „Zoot Suit Riots“ die stilistische Vielfalt des kurzweiligen Abends, der nach der Schlussnummer „Crazy Little Things“ mit einem enthusiastisch erklatschten „Dankeschön“ als Zugabe zu Ende ging.