Neue Klangwelten ausgelotet

von Redaktion

Das Stephan-Weiser-Trio im Rosenheimer „Le Pirate“

Rosenheim – Jazzmusiker, gerade wenn sie ihr Sujet ernsthaft ausüben, suchen stets nach einem eigenen, neuen, unverbrauchten Ausdruck. Gerade in kleinen Besetzungen war das immer schon eine besondere Herausforderung. Der Pianist Stephan Weiser hat sich mit seinem Trio dieser Herausforderung gestellt und überraschte im Rosenheimer „Le Pirate“ ein aufmerksames Publikum mit neuen Klangwelten.

Weiser lotete dabei alle harmonischen und melodischen Möglichkeiten des modernen Jazz aus und integrierte sie in neuer Zusammensetzung in sein breites Ausdrucksspektrum, das von filigraner Motivik über perlende Linien in sehr schnellen Tempi bis zu eruptiven Akkordsetzungen reichte. Seine Mitmusiker traten aus der in Triobesetzungen oft üblichen Begleitfunktion heraus und standen in ständiger spontaner Interaktion zueinander, sodass alle Stücke lebendig und differenziert über die Bühne kamen.

Bassist Peter Cudek gefiel durch sein klar artikuliertes, melodiöses und kontrapunktisches Spiel, während Schlagzeuger Shinya Fukumori abwechselnd mit Sticks, Besen und Filzschlegeln ungewöhnliche Akzente setzte und die jeweils passende Rhythmik abwechslungsreich gestaltete.

Weisers Kompositionen zeichneten sich durch unterschiedliche Rhythmen und atmosphärische Vielfalt aus und ergaben reizvolle Klanggeschichten. So etwa sein hymnisch dahinschreitendes Stück „Veri’s Tale“, eine schöne Melodie, die sich, anfangs motivisch zerlegt, immer intensiver wurde und über weit ausholende Spannungsbögen wieder dynamisch zurückgenommen wurde.

Dieses Verfahren der äußersten Zurücknahme und energetischen Steigerung war in mehreren Kompositionen Weisers zu hören, so etwa in seiner liedhaften Ballade „Little Anthem“ oder in der Latin-Komposition „A Summer Moment“, in der er unisono mit dem Bass ein romantisches Thema spielte, aus dem sich ein melodiöses Bass-Solo herausschälte.

Aber nicht nur in eigenen Stücken erprobte das Trio neue Ausdrucksmöglichkeiten. Auch Jazz-Standards und andere musikalische Genres fanden ungewöhnliche Bearbeitungen. Oft wurden dabei die Themen aus sparsam angedeuteten Fragmenten, die sich immer mehr verdichteten, zusammengesetzt. Die Melodie von Miles Davis‘ „Solar“ beispielsweise war erst sehr spät erkennbar und mündete nach einem Schlagzeuggewitter in einen Samba. Ähnliches geschah in Thelonious Monks „Bright Mississippi“, einem boppigen Stück auf der harmonischen Basis von Sweet Georgia Brown“, das mit ironischen Zitaten gespickt war.

In Stings Hit „Message in a Bottle“ demonstrierte Weiser minimalistische Passagen und ein berauschendes 16tel-Ketten-Timing, und die anfangs sehr verhaltene, zarte und langsam gespielte Komposition „Stranger in Moscow“ von Michael Jackson steigert sich mit vielen bluesigen Elementen zu einem funkigen Höhepunkt, um dann wieder zur Ruhe zurückzukehren. Schließlich beendete das grandiose Konzert eine Komposition Weisers mit dem bezeichneten Titel „Serenity“ (Gelassenheit) und Charlie Parkers Blues „Billie’s Bounce“ als obligatorische Zugabe.

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