Rosenheim – Es war eines der rätselhaftesten und blutigsten Verbrechen der deutschen Kriminalitätsgeschichte, das 1922 im oberbayerischen Einödhof „Hinterkaifeck“ geschah und es blieb bis heute ungeklärt. Andrea Maria Schenkel schrieb darüber ihren 2006 veröffentlichten Kriminalroman „Tannöd“. Die Regisseurin Maya Franke und die Dramaturgin Doris Happl bearbeiteten ihn 2008 für die Bühne, wobei Personen und Orte zeitlich und räumlich versetzt und neu angeordnet sind. Regisseur Martin Schönacher inszenierte das Drama jetzt für die Bühne des Tam-Ost mit dem Ensemble des Theaters.
Auch neue Gesichter auf der Bühne
Dabei gibt es neben bekannten Darstellern auch etliche neue Gesichter, die der Regisseur mit einbrachte. Er selbst fungiert als namenloser Beobachter und Kommentator des unheimlichen Geschehens. Wenn die alte Dannerin von der wilden Jagd in den Raunächten erzählt, vermittelt Sylvia Hofmann in dieser Rolle schon zu Beginn packend Gespensteratmosphäre.
Nach jeder der kurzen Szenen steht im dunklen Hintergrund die Gruppe der Personen des Stückes zum Gebet vorm weißen Grabkreuz versammelt. Die Anrufung Gottes, das Bitten um Gnade im Chor ist ein eindringliches, beklemmendes Ritual. Nach und nach beschreiben Verwandte und Bekannte das Wesen und Leben der getöteten Menschen, ihre Vorahnungen, ihren Schmerz des Verlustes und der oder die Tote selbst werden zeitversetzt in das Spiel eingebunden.
Mehr als eine einfache Schaukel links vorne und ein roter Sessel rechts hinten braucht es nicht als Requisiten in der Kulisse. In gekonnter Choreografie bewegen sich die Schauspieler zur mehr und mehr fesselnden Geschichte. Jeder von ihnen hat mehrere Rollen und sie gestalten sie alle beeindruckend. Dagmar Deisenberger ist Tochter der alten Danners, spielt ebenso deren Enkelin Marianne. Sylvia Hofmann brilliert neben der Figur der alten Dannerin als verwirrte Witwe Kirchmeier. Marina Pagel wiederum ist Schwester der Magd Marie, die auch ums Leben kam und Freundin von Marianne, gibt dazu den Sohn des Bauern Georg Hauer. Maria Malczan hat die Rolle der Magd Marie und einer Bäuerin. Alexander Schoenhoff verkörpert mit Verve den Bauern Georg Hauer, wie auch den konturlosen Bürgermeister. Als alter Danner, als Pfarrer und Bauer tritt Hermann Hager auf. Thomas Terpetschig verleiht den Figuren eines Diebes, eines Monteurs und eines Knechtes mit Leidenschaft Ausdruck. Marianne Keuschnig fungiert als Pfarrersköchin. Anhand dieser 20 Figuren erklären sich dem Zuschauer wie einem Ermittler in einem Kriminalfall deren schicksalhafte Verbindungen. Abgründig, fesselnd und überaus heftig zieht die hervorragende Inszenierung Martin Schönauers das Publikum von Beginn an in seinen Bann. Anders als im realen Verbrechen von damals gibt es in Tannöd eine mörderische Person, die dieser Geschichte ein jähes Ende setzt.
Der Regisseur und seine Darsteller wurden am Ende verdient mit großem und lang anhaltendem Applaus bedankt von einem nachhaltig beeindruckten und auch betroffenen Publikum.
Nächste Aufführungen im Tam-Ost, Chiemseestraße 31: Morgen, Freitag; Samstag, 11. November; Freitag, 17. November; Samstag, 18. November; Freitag, 24. November; Samstag, 25. November, und Freitag, 1. Dezember, sowie Samstag, 2. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Am Sonntag, 19. November, gibt es eine Vorstellung um 17 Uhr.
Karten gibt es unter Telefon 08031/234180 oder im Büro des Tam-Ost, montags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 11 Uhr. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Spielbeginn.