Raubling – Wer ist verrückt, wer nur verschroben oder exzentrisch? Dass jeder doch einen „Vogel“ hat, beweist die Kleine Bühne Pfraundorf auf überaus humorvolle Weise mit ihrem mitreißenden Lustspiel „Pension Schöller“ von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby in der Bearbeitung von Hugo Wiener. Unter der Regie von Korbinian Schinkinger, selbst als Oberkellner zu sehen, werden die Zuschauer in das alte Wien Ende des 19. Jahrhunderts versetzt, mit Kaffeehausatmosphäre und nobler Familienpension.
In der „Pension Schöller“ leben überaus unterschiedliche Individuen der Gesellschaft mehr oder minder friedlich miteinander und frönen ihren Leidenschaften. Doch nicht nur die scheinbar „Irren“ haben ihre Spleens, auch Philipp Lenzmayer (grandios gespielt von Markus Mädler), reicher Gutsbesitzer, hat seine Macken. Das beginnt bereits mit der Idee des betagten Junggesellen, seine Villa in Baden in ein Nervensanatorium umzugestalten, sehr zum Missfallen seiner Schwester Ulrike (Veronika Dinzenhofer) und ihrer Töchter (Bernadette und Anna Deutschenbaur). Bevor es soweit ist, möchte Philipp sich gerne selbst ein Bild von diesen „gewissen Häusern“ machen. Hierbei soll ihm sein Neffe Alfred (Florian Unzeitig) helfen, dem er dafür finanzielle Unterstützung für ein eigenes Unternehmen verspricht. „Guten Rat“ weiß Alfreds Freund und Maler Robert (Florian Wiesholzer), der bestens bekannt ist in der „Pension Schöller“. Gemeinsam lotsen sie den Onkel in die vermeintliche Irrenanstalt, in der die Gäste scheinbar perfekte Insassen einer Heilanstalt präsentieren. Neben Weltenbummler und Löwenjäger Bernhard (Anton Schweiger), leben in der von Pensionsbesitzer Schöller (Günther Maier) und seiner Gattin (Katharina Barfuß) geführten Wohngemeinschaft die neugierige Schriftstellerin Sophie (Stephanie Rothbächer), der cholerisch veranlagte Major a.D. Kloss (Roman Bayer), der Schauspielaspirant Leo (Stephan Hemberger), dessen Sprachfehler einer Schauspielkarriere massiv im Wege steht, und die Sängerin Agathe Scheiberl (Anita Wiesholzer), deren „Dirnenlied“‘ für jede Menge Heiterkeit sorgt.
Eingepackt in die kurzweilige Geschichte voller Missverständnisse und herrlichen Wortspielereien ist die kleine Liebesgeschichte von Schöllers Tochter Frieda (Sabine Weiß) mit Alfred.
Applaus für eine rundum gelungene Inszenierung, in der alle Akteure hervorragend in ihre Rollen schlüpfen und die Zuschauer in eine verschrobene Welt mitnehmen. Applaus für Maske und Kostüme, die eine Zeitreise ins alte Wien perfekt machen, für Technik und Bühnenbild, das für jeden Akt umgebaut wird.