Wenn der Geigenbogen tanzt

von Redaktion

Olga Kholodnaya an der Geige und Ehemann Marino Colina am Schlagzeug als „Olga-Show“ im Kuko

Rosenheim – Kaum jemals war der Gegensatz zwischen der Zahl der Konzertbesucher und der Qualität des Dargebotenen so groß wie bei der „Olga-Show“ im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim. Die wenigen Besucher, die sich neugierig auf die Musik der beiden Künstler eingelassen hatten, wurden indes nicht enttäuscht.

Grenzgebiet zwischen Klassik und Moderne

Geigerin Olga Kholodnaya und Schlagzeuger Marino Colina bewegen sich im Grenzgebiet zwischen Klassik und moderner Musik. Das Musikerpaar spielte das Violinkonzert von Mendelssohn und das Doppelkonzert für zwei Violinen von Bach in einer unkonventionellen Uraufführung mit Schlagzeug.

Auch wenn das Kuko für ein solches Konzert nicht den idealen Rahmen bot, spürte man bereits nach wenigen Takten die jugendliche Begeisterungsfähigkeit und den ungestümen Elan der beiden Interpreten, die sich immer wieder gegenseitig anspielten und inspirierten. Olga Kholodnaya und Marino Colina, die bereits in der ganzen Welt als Straßenmusiker aufgetreten sind, benutzten für ihre Instrumente elektronische Verstärker. So wirkten die Violinpassagen bei Mendelssohn im Vergleich zum Schlagzeug zunächst akustisch übersteuert.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand das Zusammenspiel von zwei völlig unterschiedlichen Klangkörpern. Olga Kholodnaya war mit Leib und Seele bei der Sache, spielte oft derart feurig und rasant, dass der Bogen auf ihrer Geige zu tanzen schien. Raffiniert eingesetzt mal dezent als orchestraler Hintergrund, mal als Taktgeber war das Schlagzeug. Temporeiche Trommelrhythmen bildeten zu den metallisch klingenden melodischen Läufen der Violine einen effektvollen Kontrast. Da beide Musiker den stark reduzierten Mendelssohn mit großer Leidenschaft und Hingabe zu Gehör brachten, war bereits nach einer halben Stunde überraschend Pause.

Im Doppelkonzert für zwei Violinen von Bach wurde das sympathische Duo von Geigerin Odette Couch, der stellvertretenden Konzertmeisterin der Münchner Philharmoniker, virtuos ergänzt. Der erste Satz war lebhaft und flott, der zweite langsame Satz beeindruckte durch den dunkel grundierten Rhythmus des Schlagzeugs. Für den Takt im Hintergrund erzeugte Marino Colina metallisch verwischt klingende, zarte Töne. Fetzig war das abschließende, heftig beklatschte Allegro mit aparten Violintrillern und fesselnder Rhythmik.

Die Geige wird gezupft wie Gitarre

Artistisch anmutende Schlagzeugperformance von Marino Colina und eine Geige, die Olga Kholodnaya zupfte wie eine Gitarre, beeindruckten auch in mehreren Eigenkompositionen. „Mendelssohn hat mich viel inspiriert“, gestand die junge Geigerin, die dann in dem Stück „Ula“ traurige Melodien und trocken zarte Pizzicati erklingen ließ.

Das wichtigste Instrument auf der Welt sei laut Olga Kholodnaya aber das Schlagzeug. Im „Bolero“ von Maurice Ravel, aber auch in „Night in Istanbul“, einer Komposition, die viele orientalische Anklänge besaß, konnten sich die Zuhörer davon überzeugen.

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