Aschau – Beim Konzert „Bachkontraste“ des Musikforums Sachrang in der Sachranger Pfarrkirche erklangen zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach und ein „Divertimento“ in C-Dur von Michael Haydn – ein wahrlich scharfer Kontrast zwischen moll und Dur, zwischen Todessehnsucht und Lebensfreude. Seite an Seite musizierten unter Leitung und Mitwirkung Professor Hansjörg Schellenbergers das wunderbar aufspielende Junge Klangforum, die souverän begleitende Cembalistin Katja Khodos und der aufstrebende Bariton Daniel Hinterberger.
In der Bach-Kantate Nr. 82 „Ich habe genung“ wurde das „genung“ überdeutlich, rufen sich das doch bei der Eingangsarie immer wieder Oboe (mit einem zaubernden Professor Schellenberger) und Bariton (glänzend Hinterberger) einander zu, während die Streicher unbeirrbar von Bassnote zu Bassnote schreiten. Hinterbergers „Ich hab ihn erblickt, mein Glaube hat Jesum ans Herze gedrückt“ zeugte von Gottvertrauen, das sich auch im Rezitativ, souverän von Ewa Lovrenovic am Englischhorn begleitet, ausdrückte.
Nach der bewegenden Arie „Schlummert ein ihr matten Augen“ setzten die Musiker beim „Ich freue mich auf meinen Tod“ bewusst auf ein lebendiges Vivace. Bei solcher Vorfreude auf den Tod, wie sie von Daniel Hinterberger in virtuosen Koloraturen und dem beinahe tanzend anmutenden Orchester dargeboten wurde, schien der Todesgedanke nicht mehr fremd.
Kontrast pur dann mit dem Divertimento musicale in C von Michael Haydn voll purer Lebenslust. Scheinbar mühelos und mit Leichtigkeit wechselten Schellenberger, Jannis Rieke an der Viola und Bassistin Valerie Schatz nuancenreich vom Allegro, über Menuett, Adagio und Andante hin zum grandiosen Presto-Finale. Aber nur kurz währte die Lebenslust, denn schon stimmte Daniel Hinterberger „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ an.
Bei der Bachkantate Nr. 56 für Solostimme und Instrumente entwickelt sich die Musik quasi aus dem Text. Daniel Hinterberger leuchtete hier gleichsam: Beim Wort „tragen“ schimmerte das seufzende Motiv samten durch, himmlische Freuden versprach er im sanft gesungenen „Himmelreich“. Bewegend auch das Rezitativ „Mein Wandel auf der Welt ist einer Schifffahrt gleich“, bei der das Cello (souverän hier Saskia Hirschinger) die Wellenbewegungen durch gleichförmige Noten imitiert. Quasi bildhaft wurde auch das von Triolen untermalten „Da leg ich den Kummer auf einmal ins Grab“, bei dem erst Professor Schellenberger und Miriam Ströher ihre Oboen seufzen ließen, ehe Daniel Hinterberger klagend folgte. Es folgten die tänzerische Arie in B-Dur „Endlich wird mein Joch wieder von mir weichen müssen“ und der Choral „Komm o Tod, du Schlafes Bruder“.
Zum Auftakt und zum Schluss gab es aus Bachs „Kunst der Fuge“ zwei Kontrapunkte. Bei der Nr. 1 ließen die Geiger Michael Sedlak und Marcellino Rochas, Bratschist Jannis Rieke und Cellistin Saskia Hirschinger die Töne fließen, beim Konzertabschluss erklang der Kontrapunkt Nr. 5, hier gesetzt für zwei Oboen (Hansjörg Schellenberger und Miriam Ströher, Oboen, Ewa Lovrenovic, Cor anglais, und Valerie Schatz, Kontrabass).