Aus dem Volksmusikarchiv

„Auf der Alm, da wachst a kuglats Gras …“

von Redaktion

Informationsabend im Volksmusikarchiv über die „neue“ Dreistimmigkeit der Volksliedgruppen

Bruckmühl – Seit den frühen 1930er-Jahren trat neben dem in Oberbayern überlieferten ein- und zweistimmigen Volksgesang eine neue dreistimmige Singweise für Gesangsgruppen in der Volksliedpflege in den Vordergrund. Vorbild waren die Liedaufzeichnungen in der im Jahr 1930 veröffentlichten kleinen Sammlung „Niederösterreichische Volkslieder und Jodler aus dem Schneeberggebiet“. Darin sind viele bis dahin unbekannte dreistimmige Lieder enthalten, die bei den oberbayerischen Gruppen ein neues Leben fanden.

Archivabend am

22. November

Beim Archivabend am Mittwoch, 22. November, um 19 Uhr im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern, Krankenhausweg 39, in Bruckmühl erfahren die Besucher auch anhand historischer Tonaufnahmen Interessantes über die bis heute aktuelle Innovation in der Volksliedpflege. Volksmusikpfleger Ernst Schusser und seine Mitarbeiterin Eva Bruckner berichten bei diesem Archivabend mit vielen praktischen Beispielen zum Selbersingen und alten Tonaufnahmen über die in Oberbayern überlieferte natürliche Zweistimmigkeit im Volksgesang und die „revolutionäre“ neue Dreistimmigkeit bei Volksliedgruppen ab 1932. „Auf da Alm, da wachst a kuglats Gras“, „Aber i wett um an Herzsiebner“, „Wo is denn der Mahder“, waren einige der Lieder, die oberbayerische Volksliedgruppen aus dem Liederbüchl „Niederösterreichische Volkslieder und Jodler aus dem Schneeberggebiet“ dreistimmig nachsangen.

Kiem Pauli (1882 bis 1960) hatte in den Jahren nach 1925 seine „Sammlung Oberbayrischer Volkslieder“ (München 1934) vornehmlich mit den ein- und zweistimmig überlieferten Singweisen in den südlichen oberbayerischen Dörfern zusammengetragen. Nach seinem Preissingen 1930 in Egern am Tegernsee lernte er das 1930 veröffentlichte „Schneebergbüchl“ mit seinen besonderen dreistimmigen Liedsätzen, aufgezeichnet von den Wiener Volksliedsammlern Karl Kronfuß (1858 bis 1923) und Alexander (1865 bis 1942) und Felix Pöschl (1870 bis 1946), kennen und gebrauchte diese für Oberbayern fremde neue Dreistimmigkeit als willkommenen Impuls für seine in den 1930er-Jahren begonnene neue Volksliedpflege.

Er spannte die Männer-Zweigesänge Sontheim-Burda und Treichl-Vögele zu einem drei- und vierstimmigen sogenannten „Musterkofferl“ zusammen und alsbald folgten weitere neue dreistimmig singende Gruppen wie die Aschauer Dirndl, die Riederinger Buam oder die Bergener Volksliedsänger von Wastl Fanderl.

In der neuen oberbayerischen Volksliedpflege nach dem Zweiten Weltkrieg kam diese neue Dreistimmigkeit zu voller Blüte: Die Fischbachauer Sängerinnen, die Roaner Sängerinnen, das Fanderl-Trio, die Waakirchner Buam, die Haunshofer Sänger, die Geschwister Hartbichler vom Samerberg waren die Vorreiter dieses neuen Klanges.

1956 kamen Sänger aus dem Schneeberggebiet nach Tegernsee und begeisterten die Oberbayern mit ihren frei angestimmten dreistimmigen Liedern und kräftigen Jodlern.

Frühe Tonaufnahmen

Am Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern wurde 1994 diesem „Schneebergbüchl“ bei einer Exkursion ins niederösterreichische Schneeberggebiet nachgespürt und auch frühe Tonaufnahmen von „Kiem Pauli und seinen Sängerfreunden in den 30er-Jahren“ als Hörbeispiele auf CD (VMA 1995) erarbeitet.

Bei diesem Archivabend haben die Besucher die Möglichkeit, die Broschüre „Auf den Spuren der alpenländischen Dreistimmigkeit im niederösterreichischen Schneeberggebiet“ (VMA 1994, 176 Seiten) zum Sonderpreis von 5 Euro zu erwerben.

Getränke sind vorbereitet. Liederblätter und Liederhefte stellt das VMA. Der Eintritt ist frei. Eine verbindliche Anmeldung bis spätestens 20. November beim Volksmusikarchiv, Telefon 08062/5164, E-Mail: volksmusikarchiv@bezirk-oberbayern.de, ist notwendig.ES

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