Aktuelles Interview mit der Autorin Christiane Tramitz

Zuerst hat sich die Mare zwei Jahre lang geweigert

von Redaktion

Aschau –Christiane Tramitz (58) ist die Tochter des Samerberger Schauspielers und Filmemachers Christian Doermer und der Autorin Lore Doermer. Sie war in erster Ehe mit dem Schauspieler Christian Tramitz verheiratet. Die promovierte Verhaltensforscherin und Publizistin veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, Fachartikel und Reportagen. Mittlerweile wohnt die Mutter zweier erwachsener Söhne in Aschau. Kürzlich erschien ihr Buch „Harte Tage, gute Jahre“. Sie beschreibt darin das Leben der Oberkaser Mare, der Sennerin vom Geigelstein, die im Juni im Alter von 92 Jahren starb. Die Autorin stellt das Buch bei einer Lesung am Freitag, 24. November, um 19.30 Uhr im Alten Schulhaus in Sachrang vor. Die Lesung ist schon seit Langem ausverkauft.

Frau Tramitz, früher haben Sie ausschließlich im wissenschaftlichen Bereich publiziert. Nun wenden Sie sich anderen Genres zu, haben zwei Krimis geschrieben und jetzt die Biografie über die Sennerin vom Geigelstein veröffentlicht. Woher kommt das?

Ich veröffentliche ja nach wie vor im wissenschaftlichen Bereich, aber ich liebe es, mit Sprache umzugehen. Ich habe viel über Kinder und Jugendliche, deren Verhalten und ihre Art zu kommunizieren, geschrieben und bin da immer noch sehr aktiv. Aber bei den Genres Krimi, Belletristik und Biografie kann ich ja viel mehr Emotionen reinbringen und die Atmosphäre in Worten einfangen. Und bei Nicht-Sachbüchern kann ich sehr gut die Innenwelten der jeweiligen Personen lebendig werden lassen.

Wie nahe kommen Sie mit Ihrem Buch über die Oberkaser Mare der Realität? Einiges ist ja fiktiv, aber einige Personen beschreiben Sie in ihrem Buch sehr ausführlich, auch mit Namen, und so manchen Ort neben der bekannten Oberkaseralm erkennt man auch gleich wieder.

Ich bin im Chiemgau aufgewachsen und in Rosenheim in die Schule gegangen. Von daher weiß ich ein bisschen Bescheid über die örtlichen Verhältnisse. Ursprünglich wollte ich ja ein Buch über den Geigelstein an sich schreiben, doch in Gesprächen mit Einheimischen wurde immer wieder die Mare erwähnt, und nach weiteren Gesprächen mit Weggefährten und Bauern und Recherchen im Rosenheimer Stadtarchiv und beim Oberbayerischen Volksblatt habe ich mich entschlossen, über die Oberkaser Mare zu berichten. Zuerst hat sie sich geweigert, das habe ich dann auch respektiert. Zwei Jahre später hat sie mir dann doch erlaubt, über sie zu schreiben. Einige Personen, die in dem Buch vorkommen, sind echt wie beispielsweise Claus Hipp, die Conny und so weiter. Die meisten Elemente stimmen und entsprechen realen Stimmungen und Gegebenheiten. Den Wunsch, ans Weiderecht zu kommen, so wie es im Buch steht, haben ja viele Bauern. Ebenfalls real ist das schwierige Verhältnis zwischen Mare und ihrer Schwester. Aber einiges, vor allem die Familiengeschichte, ist aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen Fiktion.

Aber ist es nicht ein bisschen heikel, Wahres mit schriftstellerischer Fantasie zu verbinden? Vor allem, wenn es um noch lebende Personen geht?

Natürlich, da gibt es Leute, die brummeln, und ich habe sicher auch Leute unerwähnt gelassen, die der Mare Gutes taten. Aber jeder hat doch so seine eigene Vorstellung von Mares Leben, und so habe ich in dem Buch meine persönlichen Eindrücke und Erzählungen anderer zusammengefasst.

Haben Sie denn schon neue Projekte?

Ich schreibe gerne über Menschen, die etwas Spannendes erlebt haben und deren Innenwelten ich vorstellen will. Also Themen, die der normale Bürger vielleicht nicht immer so kennt. Derzeit arbeite ich an zwei Buchprojekten. Das eine ist der Mikrokosmos Berlin-Marzahn im Lauf der Zeit, also von vor der Wende bis jetzt. Und das andere Thema dreht sich um den Koch Hans Peter Wodarz, der mit seinen Restaurants „Die Ente im Lehel“ in München und „Die Ente vom Lehel“ in Wiesbaden und dem Eventkochen wie beispielsweise „Pomp Duck and Circumstance“ bekannt geworden ist. Der hat so ziemlich alles in seinem Leben mitgemacht.

Interview: Elisabeth Kirchner

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