Traunstein – Mit einer eindrucksvollen Installation in den Kirchen Heilig Kreuz in Traunstein und St. Andreas in Teisendorf hat Stephan Hadulla, Kirchenmusiker in Heilig Kreuz in Traunstein, das Thema „Totentanz“ als vielschichtiges Gesamtkunstwerk inszeniert und sozusagen einen „Traunsteiner Totentanz“ geschaffen. Der Chor „Vokalexpress Teisendorf“ unter seiner Leitung ein Instrumentalensemble mit Rupert Eder und Jutta Gerl, Trompeten, Rupert Kamhuber und Guido Maier, Posaune, sowie Franz Mitterreiter an der Orgel boten auf der Ebene der Musik Totenklagen, Madrigale und Motetten zum Thema Tod und Sterben dar, während Vortragende auf der Kanzel oder im Eingangsbereich lyrisch-poetisch über den Windhauch als Symbol der Vergänglichkeit sprachen. Mit zwei, ganz in Weiß beziehungsweise schwarz gekleideten Schauspielern (Wolfgang und Sabine Dinglreiter) wurde dieser „Totentanz“ ganz und gar zu einer eindrucksvollen dramatischen Darstellung mit allen Raffinessen des antiken Theaters, in dem der Chor das Geschehen kommentierend begleitete. Der gesamte Kirchenraum diente als Bühne. In Anlehnung an den Gedanken der venezianischen Mehrchörigkeit wurde die Akustik variiert durch Verlagern des Standortes des Chores vom rechten Seitenaltar nach hinten bei der Schlussversion von „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig“ von Melchior Franck, dorthin, wo zu Beginn das Solistenquartett bereits eine Strophe dieses Chorsatzes gesungen hatte.
Präsentation
im Altarraum
Offensichtlich für alle Besucher wurde das Thema „Totentanz“ durch die Art der Präsentation im Altarraum auf den Punkt gebracht: Der Altar selbst war durch ein schwarz bespanntes Rahmengestell verdeckt. Über den schwarz verhangenen Volksaltar hing eine lange weiße Stoffbahn, die weit in das Kirchenschiff hineinreichte. Darauf stand in großen schwarzen Lettern der Begriff „Totentanz“ zu lesen. Vor dieser Installation waren Häufchen aus schwarzem Stoff verteilt, unter denen der weiß gekleidete Schauspieler, der in verschiedenen Rollen das Leben verkörperte, die Requisiten hervorholte, die seine jeweilige Rolle definierten. Als Kaiser trug er einen leuchtend roten Umhang, als junger Mann hatte er eine Schildmütze auf. Er war Arzt, Bauer, Bettelmann oder eine junge Frau, die zudem mit ihrem Spiegel den Vanitas-Gedanken der Vergänglichkeit verkörperte. Nach dieser Szenen-Collage folgte ein zweites Mal „Ach wie nichtig“, wie auch das erste Mal – der englischen Chortradition folgend – sehr kontrastreich in unterschiedlicher Stimmregister-Besetzung, wie einstimmig, nur mit Männer- oder Frauenchor, mit Solistenquartett oder mit dem Gesamtchor. Alle bat der Tod mit poetischen Versen aus dem „Lübecker Totentanz“ (15. Jahrhundert) zum Totentanz mit ihm. Manchen hielt er ihr egoistisches Leben vor, manchen nahm er die Angst vor dem Sterben.
Mit den Musik- und Gesangsstücken wurde die Stimmung wunderbar umgesetzt. Stephan Hadulla hatte dazu musikalische Gedanken der Musikliteratur aufgegriffen und nach seinem Konzept arrangiert, so zum Beispiel im Stil italienischer Madrigale („Spontava il di“) oder lateinischer Renaissance-Motetten („Versa est in luctum“, „Sed recordatum est“). „Ich hab die Nacht geträumet“, ein deutsches Volkslied, war ebenso dabei wie „In der Fremde“ auf einen Text von Heinrich Heine sowie „Das Sternlein“ von Max Reger, dessen Text Matthias Claudius auf den Tod seiner Tochter Christiane geschrieben hat.
Die Arrangements der Stücke für Bläser und Orgel stammten ebenfalls von Stephan Hadulla. Wunderbar erklangen von der Empore „Chi vol che m’innamori“, ein italienisches Madrigal, „Annorum dies nostrorum“ von Palaestrina, eine lateinische Motette nach Psalm 90 und „Danza macabra“. In seiner Kompositionsarbeit für Orgel und Bläser griff Hadulla das musikalische Thema von „Ach wie nichtig“ auf und verarbeitete es kunstvoll für diese Instrumentalbesetzung.
Auch der Chor mit dem symbolischen Namen „Vokalexpress“ setzte die berührend-ergreifende Thematik der Vergänglichkeit in stimmungsvolle Klänge um und zeigte mit hervorragender Intonation und Interpretation ein ausgesprochen hohes musikalisches Niveau.
Die Botschaft kam an. Das Publikum zeigte sich begeistert und wurde zum Schluss mit „Trag mi, Wind“ als Zugabe belohnt.