Rosenheim – Angefangen hat alles mit einer Heuschrecke, die Peter Pohl (51) auf den Tisch sprang und ihn so sehr faszinierte, dass er begann sie zu zeichnen. Seit 30 Jahren hat er sich künstlerisch auf Insekten spezialisiert. Zu sehen ist seine aktuelle Ausstellung „Aus verschlossenen Büchern“ noch bis 27. November in der Kleinen Werkraumgalerie in Rosenheim.
Fremdartig und geheimnisvoll wirken die Gebilde zunächst, die der in Wien an der Akademie der Bildenden Künste ausgebildete Maler mit Kohle aufs Papier bringt. Dünne, lange Fühler, stelzenartige Beine, ein detaillierter rumpfartiger Körper: Pohls Insekten gehen zwar auf intensive Beobachtung der Tiere zurück, ihre Komposition jedoch entspringt nur seiner Fantasie.
90 gefüllte Skizzenbücher
90 Skizzenbücher hat er mittlerweile mit solchen Zeichnungen gefüllt: Auch sie sind Bestandteil der Ausstellung. Allerdings – wie der Titel bereits verrät – bleiben 89 von ihnen verschlossen. Sie stapeln sich vom Boden bis an die Decke der Altbauräume. Lediglich in einem Buch haben Besucher der Kleinen Werkraumgalerie die Gelegenheit, zu blättern und Pohls „Fabel“-Insekten genauer unter die Lupe zu nehmen.
Selbst unter das Vergrößerungsglas seines Mikroskops nimmt der Künstler die Tiere und fotografiert dabei Details ihrer Körper: mal einen Flügel, mal ein Bein. Später fügt er diese Teile per Bildbearbeitungsprogramm in andere fotografische Kompositionen ein.
Diese hängen nun an den Wänden der Galerie. Eingesetzt werden die Mikroskop-Aufnahmen in Fotografien seiner Kohle-Zeichnungen. Was Pohl mit seinen Werken am PC macht, verleiht den Kreaturen eine völlig neue Struktur: Aus schwarzen Zeichnungen auf weißem Hintergrund werden weiße Insekten vor schwarzem Hintergrund. Wie Röntgenbilder muten die Tonwertumkehrungen an, nahezu gespenstisch. Wichtig ist Pohl dabei die räumliche Gestaltung: Wie ein Spinnennetz ziehen sich teilweise die Strukturen durch seinen selbst geschaffenen künstlerischen Raum.
Begleitet wird die Ausstellung von „Kosmos-Musik“, wie Pohl sie selbst beschreibt. Weltraumrauschen nennt er das, was seine Kunstwerke umrahmt. Gerade zu den Fotografien wirkt die musikalische Beschallung passend: So eigenartig beides auf den ersten Blick erscheinen mag, umso faszinierender wird die Komposition, die dahinter bei längerer Betrachtung steckt.
Apropos Kosmos: Der hat für Pohl nicht nur eine künstlerische Bedeutung. Gerne erinnert er sich an einen Hügel auf der Insel Losinje in Kroatien. Hier erschien ihm der Kosmos näher als nirgendwo sonst. Da ist es vermutlich auch kein Zufall, dass Pohls künstlerisches Schaffen zum Thema Insekten genau auf dieser Insel schon in seiner Jugend begann. So schließt sich der Kreis.
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Die Ausstellung „Aus verschlossenen Büchern“ ist noch bis 27. November in der Kleinen Werkraumgalerie in der Heilig-Geist-Straße 4 in Rosenheim zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch bis Samstag jeweils von 16 bis 19.30 Uhr.