Zärtlicher Klangzauber mit Scatgesang

von Redaktion

Badi Assad verblüfft bei den Bad Aiblinger „Saitensprüngen“ als Vokalistin

Bad Aibling – Nach dem swingigen und teils rasanten Auftakt des Bad Aiblinger Gitarrenfestivals „Saitensprünge“ mit dem Joscho-Stephan-Trio wurde es im zweiten Konzert etwas ruhiger. Stargast des Abends war die brasilianische Gitarristin Badi Assad, die aus einer musikalischen Familie stammt und deren Brüder Sergio und Odair ebenfalls schon bei den „Saitensprüngen“ gastiert hatten. Doch ihre Schwester Badi, geboren als Mariangela Assad Simão, verblüffte weniger als Saitenvirtuosin, sondern entpuppte sich zudem als Vokalakrobatin, die in ihrem Soloauftritt mit Charme, schönen Songs und großem Können das Publikum im großen Saal fesselte.

Badi Assad gilt als eine der führenden Gitarristinnen. Ihr Durchbruch gelang 1998 mit dem Album „Chameleon“, eingespielt mit dem kürzlich verstorbenen Larry Coryell und dem innovativen Altmeister John Abercrombie.

Badi begann träumerisch, lyrisch und weich und erzählte zu den Stücken „Joane“ und „Eu vim“, wie sich ihre Großeltern fanden, eine Geschichte der Emigration, die sich in der nächsten Generation durch ihre aus Portugal nach Brasilien gekommene Mutter wiederholte. Typische, dem Klischee entsprechende Töne schlug sie in „Basica“ an, in dem sie mit funkelnden Augen von ihrer Kindheit in Rio de Janeiro erzählte. Im nächsten Stück entführte sie mit ersten noch dezent eingesetzten Lautmalereien, textlich und mit melodiöser Gitarre nach Nordostbrasilien („Noite“). Hauchdünn, zart und zerbrechlich erklang die „Aurelie“, begleitet von akustisch interpretierten perlenden Wassertropfen.

Noch persönlicher wurde es nach der Pause. Badi Assad schilderte die Zeit ihrer schweren Erkrankung nach 1980, als sie zwei Jahre lang nicht mehr Gitarre spielen konnte, und bedankte sich für ihre erfolgreiche Therapie mit einem Lied an „Mother Earth“, angereichert mit dem Sound des brasilianischen Regenwalds, von ihr selbst mit Stimme und Körper erzeugt. Im Stile einer sanften Singer-Songwriterin ging es weiter – mit feinen Nuancen im Gesang und begleitet von einer meist dezenten Gitarre, irgendwo zwischen Folk, Jazz und Avantgarde, mit brasilianischen Einsprengseln. Ihre Klangzaubereien fesselten das konzentrierte Publikum, das immer wieder ins Staunen geriet ob der Möglichkeiten der Musikerin, die beispielsweise simultan eine Melodie per Scatgesang anstimmte und simultan dazu mit der Zunge Schnalz- und Klackgeräusche erzeugte – phänomenal!

Dass die poetische und filigrane Brasilianerin eine durchaus rebellische, autonome Seite aufweist, zeigte sich in der Interpretation des „Hanging Tree“, der in den „Tributen von Panem“ symbolisch für die Seite der Revolution steht. Hier steigerte sich Assad furios und zeigte mit glühenden Saiten volles Temperament und Dynamik, ebenso wie in einem kleinen Block mit Kompositionen aus England und Irland.

Viele wunderschöne Bilder zeichnete Badi Assad in ihren Moderationen und Liedern, in denen immer wieder exotische Tierwelten wie die „Lions“ oder besondere Vögel wie Kolibris vorkommen, die bei geöffneter Türe in Häuser fliegen und ihre Küsse verteilen.

Es war ein leises und lyrisches Konzert voller poetischer Energie und Wärme.

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