Wasserburg – Nach Jahren der Enthaltsamkeit in Sachen Wasserburger Stadtkapelle war es für den Schreiber dieser Zeilen an der Zeit, eine Bildungslücke aufzufüllen, um sich das Werden und Wachsen dieser Wasserburger Institution wieder vor Augen zu führen. Über dies hinaus stellt sich das alljährliche Herbstkonzert auch immer als besonderes gesellschaftliches Ereignis dar, das man gerne miterlebt.
Hören wir uns den berühmten River-Kwai-Marsch an – als Zugabe von Martin Zwiefelhofer trefflich dirigiert: Die Nebenstimmen blühten, und in duftigem Klang zeigte sich die hohe Qualität über übliches Marschgebaren hinaus.
Solche Qualität war es wohl, die es Michael Kummer, dem Leiter der Kapelle, möglich macht, Ausflüge in Unbekannteres zu wagen. Ja, er fordert Spieler wie Zuhörer, und das ist gut, um Kultur lebendig zu erhalten; und die Wasserburger haben mit der Zeit wie selbstverständlich akzeptiert, dass da nicht ein landesübliches Bläserensemble agiert, sondern schon eine Art Symphonieorchester.
Was war hier nicht alles zu hören: Glasunows „Einzugsmusik“, fordernd in Rhythmus und Polyphonie; eigenartig nördliches Flair im „Finnmark-Marsj“; eine Art Meditation über Venedigs San Marco; ein musikalisch lebendes Bild von der Arche-Noah-Geschichte. Ungeahnter Reichtum an Neuem, was Blasmusik betrifft, bot sich hier allzumal – aber jetzt erlebten die Wasserburger eine bewegende symphonische Dichtung über Droste-Hülshoffs „Judenbuche“: Ein Werk von Marco Pütz, komponiert vor erst etwa zehn Jahren – und vielleicht war dies der Höhepunkt an musikalischen Ausflügen dieses Abends. Michael Kummer lebt eben in seinem Metier am Puls der Zeit.
Natürlich die „Star Wars“: Es leuchteten die Sternenwelten in der Musik von John Williams, in Bildern an der Leinwand wie im Glanz der Hörner. Das Blech strahlte, Flöten, Saxofone, Klarinetten, Oboen und Schlagwerke assistierten in differenziertem Klangreichtum.
Michael Kummer moderierte mit großem Hintergrundwissen und voll Humor – ja, auch solche Art von Begleitung bedingt den Erfolg in seinen Konzerten. Der Keim zu den Erfolgen jedoch dürfte in der Arbeit mit der Jugend zu suchen sein: Vom Konzertmarsch zum „Quiet Moment“, und wieder zum berühmten Kaiserjägermarsch: Da hörte man, dass die Vielseitigkeit der Stadtkapelle in solcher Jugendarbeit ihre Anfänge findet.