Gefesselt von der Vielfalt der Gitarre

von Redaktion

„Guitarrissimo – die lange Nacht der Gitarren“ beim Gitarrenfestival „Saitensprünge“

Bad Aibling – Der Konzertabend „Guitarrissimo – die lange Nacht der Gitarren“ beim Gitarrenfestival „Saitensprünge“ in Bad Aibling bewies aufs Neue, welche Bandbreite dieses Instrument aufweist. Fünf Stunden waren die Besucher im voll besetzten Saal des Kurhauses gefesselt von der Vielfalt, die dieses Instrument bieten kann und von den Darbietungen der Künstler, die in ihrer Verschiedenheit kaum anderswo an einem einzigen Abend zu genießen sind.

Den Einstieg bot das Trio „El Tango“ aus Buenos Aires mit dem geradezu mystischen Stück „di Arzola“ und bewies anschließend mit dem schmelzenden Bariton ihres Sängers Martin Gartia, der seine Lieder wahrlich lebte, dass der argentinische Tango dort wirklich Volksgut, Volksmusik ist. Orlando di Bello machte am Bandoneón deutlich, dass er dieses Instrument im Sinne des Wortes mit Händen und Beinen spielt. Im Gegensatz zu den europäischen Akkordeons liegt dieses Instrument auf den Knien liegend, wobei diese beim Rhythmus heftig mitwirken. Selbstverständlich durfte die Gitarre von Carles Pons nicht fehlen, welcher die Melodieläufe ebenso szenisch darbot, wie er perkussionsgleich den rhythmischen Hintergrund produzierte.

Eine gewaltige Wendung war der Wechsel zu Hedvika Svendová. Sie führte das Publikum in eine träumerische Sphäre mit einem gehauchten Präludium von Augustin Barrios, dem ein ebenso akzentuiertes wie dennoch verhaltenes Stück aus Bachs „wohltemperierten Klavier“, das für die Gitarre adaptiert worden war, folgte. War sie in ihren ersten Beiträgen eher versonnen, so überzeugte bei den Kompositionen von Johann Kaspar März ihre Wandlungsfähigkeit. Wirbelte sie bei der Nummer „Unruhe“ geradezu artistisch temperamentvoll über die Saiten, so verschmolz sie bei der Tondichtung „Liebesleid“ geradezu schmerzlich mit ihrer achtsaitigen Gitarre.

Gelungenes Heimspiel für Eva Niedermeier

Einen neuerlichen Sprung in ein ganz anderes musikalisches Metier bot die Poetry-Slammerin und Liedermacherin Eva Niedermeier aus Bad Aibling. Mit ihren Balladen und eigenen Versen balancierte sie samt Gitarre durch die selbst geschaffenen Stimmungsbilder und zwang ihr Publikum zu größter Aufmerksamkeit. Die verbalen Saltos zu eingängigen Melodien bewiesen ihr großes lyrisches Talent. Begleitet von Leon Sobol auf der Gitarre hatte sie als Bad Aiblingerin ein gelungenes Heimspiel.

Das italienische Duo Paolo Devecchi und Salvatore Seminara brachten anschließend echtes mediterranes Temperament in den Saal. Dabei umkreisten diese Interpreten einen zentralen Akkord den sie geflissentlich vermieden, um so die Zuhörer lustvoll leiden zu lassen, bis sie schließlich doch zum erlösenden Schlussakkord fanden. Eine unglaublich hohe Schule der Improvisation zwischen Flirren und Pizzicati, satten Bässen und geklopften Percussionen schuf atemlose Hingabe im Publikum.

Nach der Pause boten alle Künstler erneut Prunkstücke aus ihrem Repertoire. Hedvika Svendová verschmolz geradezu mit ihrer Gitarre, als sie eine Komposition des Steiermärker Jazzgitarristen Wolfgang Mutspiel artistisch-jazzig vortrug. Die Argentinier glänzten unter anderem mit dem Tangoklassiker „La Cumparsita“, bis sich schließlich alle Künstler mit der gemeinsam improvisierten Version von „My Way“ verabschiedeten.

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