Rosenheim – „Guten Abend… Jesses, iss des laut“. Mit diesen Worten begrüßte der Sänger und Schauspieler Max Müller sein Fanpublikum im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum. Müller, der schwungvoll auf die Bühne gestürmt war, hatte das Mikrofon zu nah an seinen Mund gehalten. In seinem originell zusammengestellten Programm „Tierisch!“ gelang es dem gebürtigen Klagenfurter mühelos, für die vielen Gedichte und Lieder den jeweils richtigen Ton, den passenden Ausdruck zu finden. Auf dem Flügel begleitet wurde Müller von Pianist Volker Nemmer.
Ob es sich um die messerscharfen Alltagsbeobachtungen von Joachim Ringelnatz, Kuriositäten von Christian Morgenstern oder um die Wiener Lieder von Georg Kreisler handelte, Müller hatte stets seinen Spaß daran, den Witz, aber auch die Melancholie der Texte in Stimme, Mimik und Gestik treffend in Szene zu setzen. „Wenn es in der Literatur tierisch wird, dann menschelt es außerordentlich“, erklärte Müller. An diesem Abend würde man vielleicht sogar sich selbst begegnen. So wünschte er dem Publikum „viel Wiedersehensfreude in unserer kleinen Menagerie“.
In dem abwechslungsreichen, knapp zweistündigen Programm erfuhren die Zuhörer, dass die süßesten Früchte nur die großen Tiere fressen. Man durfte sich nicht nur an humorig-sinnigen Wortspielen von Ringelnatz oder Wilhelm Busch erfreuen, immer wieder sang Müller auch Klassiker wie „So ein Regenwurm hat´s gut“ oder „Die Reblaus“, ein Lied, das Hans Moser unsterblich gemacht hat. Dabei präsentierte der sympathische Verwandlungskünstler die Ohrwürmer frisch und unbefangen in seinem ganz persönlichen Stil.
Klassisch wurde es in Schuberts „Die Forelle“, ausgelassen und heiter in Mozarts Arie „Der Vogelfänger bin ich ja“ aus der „Zauberflöte“, die Müller, salopp am Bühnenrand sitzend, mit zaghaftem Pfeifecho aus dem Publikum zum Besten gab. Für Belustigung sorgte das mundartlich vorgetragene „Kärntner Heimatlied“ über eine Kröte, witzig anzuhören waren die harmlos-skurrilen Reime des Evergreens „In der Bar zum Krokodil“.
Müller steuerte auch Werke von heute kaum noch bekannten Dichtern bei, etwa dem in Auschwitz ermordeten Wiener Kabarettisten Peter Hammerschlag. Viel Beifall erhielt das Lied „Am Amazonas“ aus der Operette „Glückliche Reise“ mit seinem heiter-naiven Text und der vom Pianisten flott gespielten Melodie. In einem Stück für „Klavier für vier Pfoten“ sah man Müller und Nemmer die Freude am musikalischen Schabernack förmlich an.
Da Müller nicht nur rezitierte und sang, sondern auch brillant schauspielerte, verfehlte sein komödiantisches Talent beim Publikum nicht seine Wirkung. So musste das Duo nach dem anhaltenden Beifall noch zwei Zugaben geben, darunter das Lied „Ich wollt ich wär ein Fisch“ von Schubert.