Altmeister an der Trompete

von Redaktion

Dusko Gojkovich beim Jazzfestival im Rosenheimer „Le Pirate“

Rosenheim – Die 30er-Jahre gehören zur Pionierzeit des Jazz: Duke Ellington schuf in der Blüte seines Schaffens große Kompositionen, auf der Leinwand sang Bing Crosby, und Gerald Marks und Seymour Simons schrieben den Standard „All of me“. Im selben Jahr wurde Dusko Gojkovich geboren, der als Trompeter selbst ein Teil der Jazz-Historie wurde. Er begann bei Kurt Edelhagen, spielte mit Chet Baker und Miles Davis, widmete sich in großer Offenheit vielen Stilrichtungen von Bigband-Sound bis hin zur Samba. Beim „Jazzfestival“ im Rosenheimer „Le Pirate“ stand Gojkovich nur vier Wochen nach seinem 86. Geburtstag auf der Bühne.

Einziges Rosenheimer Jazzwohnzimmer

Mit Michael Keul am Schlagzeug, der die Reihe initiiert hatte, Andy Kurz am Bass, Tizian Jost am Piano und Bernhard Wiesinger am Tenorsaxofon war ein eingespieltes Quintett mit tollen Solisten auf der Bühne. Im „ersten und einzigen Jazzwohnzimmer Rosenheims“ (Keul) startete die Band mit „Are you real?“ von Benny Golson. Bereits das Auftaktstück gab Gojkovich Gelegenheit für längere Trompetenpassagen, die der Altmeister ruhig und unaufgeregt im vollen Club blies.

Auch Wiesinger am Sax und Jost an den Tasten steurten feine Soli bei, die vom erwartungsfreudigen Publikum jeweils mit Szenenapplaus bedacht wurden. In „You are my everything“ zauberte Gojkovich mit gedämpftem Instrument einen weichen, schmeichelnden Sound hervor. Das klang reizvoll.

Nach einem rasanten Pianosolo von Jost mündete das in eine spielerische Phase der Rhythmusgruppe, die sich die Bälle zuwarf und munter improvisierte. Die Band setzte einen Kontrast mit dem Klassiker „It´s you or no one“, beginnend mit einem dynamischen Bläserduo und kraftvollem Antrieb von Bass und Schlagzeug, mit dem Keul in ein prägnantes Gespräch mit den beiden Bläsern ging. Schön sanft und anschmiegsam geriet ein Saxophon-Spezial von Wiesinger, ideal zum Träumen mit geschlossenen Augen.

Wie immer bei Konzerten mit Keul gab es ein paar typische Sprüche mit gutem Humor. Der als jazziges Gegenstück zu Pianist Lang Lang vorgestellte Andy Kurz steuerte gut gelaunt „sein“ Solo bei, wie Gojkovich kommentierte „ich bin so alt wie alle anderen zusammen“. Aus seiner Feder kam eine starke Eigenkomposition mit knackig-eingängigen Bläserpassagen, fließenden Übergängen zur Rhythmusgruppe und einem mit flinken Fingern am Piano wirbelnden Tizian Jost.

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