Bad Aibling – Einer der drei berühmtesten Konzertgitarristen ist neben John Williams und Julian Bream ganz fraglos Pepe Romero, der in Bad Aibling bewies, dass die „Saitensprünge“, die in diesem Jahr zum 18. Mal veranstaltet werden, längst internationale Anerkennung genießen.
Romero wurde sogar in Ritterstand gehoben
Der 73-jährige Pepe Romero ist wohl der berühmteste von drei Brüdern, die sich alle der Gitarre verschrieben haben. Als 13-Jähriger kam er mit seiner Familie in die USA, wo diese als Gitarrenquartett Berühmtheit erlangte. König Juan Carlos erhob ihn in den Ritterstand und in Bad Aibling erbrachte der Künstler einmal mehr den Beweis, dass er sich diese Ehre verdient hat.
In dem voll besetzten großen Saal des Aiblinger Kurhauses hätte man gehört, wenn eine Stecknadel zu Boden fällt: Der Meister verzichtete auf jegliche technische Verstärkung. Ein Mann – nur mit seiner Gitarre – entführte die Besucher in die höchsten Gipfel eines musikalischen Bergmassives.
In seiner Begrüßung erklärte Romero, dass er diesen Abend gewissermaßen im Wohnzimmer von Maurice Ravel verbringen wolle, in dem dessen Freunde Debussy, Isaac Albeniz sich zumindest im Geiste trafen.
Den Einstieg bot er mit einem Arrangement aus Motiven von Bolero und einem Schwenk zu Bizets Carmen, die er tonglänzend ineinander verwob.
Mit Augustin Barrios Mangores Komposition „Andalusia“ zelebrierte er spielerisch scheinbar unmögliche Tonfolgen, wobei er aus weichsten Tremolos in klassische spanische Rhythmen wechselte.
In „Dans de Jardin“ von Claude Debussy legte er sich deutlich Zügel an. Schließlich überließ er sich der Macht des Stückes, forderte das Instrument zu den gewagtesten Akkorden. Die Gitarre gehorchte.
Nach der Pause legte Romero mit der „Sonatina“ von Federico Moreno Torroba noch einmal ein gewaltiges Pensum vor. Zunächst in versonnener Stimmung mit welcher er luftige, schwingende Szenerien zauberte, wechselte er in den Sätzen zu romantischen Klangfolgen und rätselhaften Tonbögen.
Beim „Capricio arabe“ von Francisco Tarregá deklinierte er Volten schlagend seine unglaublichen Fingerwirbel und mit dem weltberühmten Stück „Leyenda“ von Isaac Albeniz blieb offen, ob die Saiten mit seinen Fingern tanzen oder umgekehrt.
Zwei Zugaben forderte das Publikum durch rigorosen Applaus ein. Mit Erfolg: Schließlich kam Romero mit einem feurigen Flamenco zum Schluss – sichtlich erschöpft aber scheinbar glücklich beendete er damit das Konzert in Aibling.