Adolf Bach schreibt in seinem Standardwerk „Deutsche Namenkunde“ zum Thema der Tiernamen in der Ortsnamenkunde: „Mit den Tiernamen Eber, Wolf, Bär u. a. konkurrieren gleichlautende Personennamen“. Außerdem, so Bach, können „Hund und Katze als Bestimmungswort die Kleinheit oder Verächtlichkeit des im Grundwort genannten Begriffs bezeichnen und brauchen mit dem betreffenden Tier unmittelbar nichts zu tun haben“. Adolf Bach nennt als Beispiele für die letztere These einen Namen wie „Katzenfurt“, womit nicht die Katze an sich, sondern lediglich die geringe Tiefe und Größe einer seichten Stelle in einem fließenden Gewässer bezeichnet wird. Somit ist hier bei der Namenserklärung große Vorsicht geboten, zumal außerdem als Folge der lautlichen Entwicklung eines Wortes im Laufe der Jahrhunderte Namensgleichheiten entstanden sind, die ebenfalls in die Irre führen können.
Nehmen wir als Beispiele hierzu Egllack und Eglham bei Vogtareuth. Neben anderen möglichen Deutungen kann man hier beide Male an den Egel, also Blutegel als Namensstifter denken. Das Grundwort „lack“ kennen wir etwa von der „Schwarzlack“, dem Bauernhof samt Kircherl, oberhalb von Großholzhausen am Sulzberg gelegen. Zugrunde liegt althochdeutsch lahha, mittelhochdeutsch lache: Dies bedeutet eine Ansammlung von Wasser, eine Pfütze, Lacke. Folgerichtig erklärt Hans Meixner in „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ Egllack mit dem althochdeutschen Bestimmungswort egala, also dem Blutegel.
Welchen Sinn aber hätte der Blutegel, auch Pferdeegel genannt, im Namen von Eglham. Etwa „Heimstätte von Blutegeln“? Sicherlich nicht! Meixner beschreibt Eglham als „1160 Eccheheim, (…), 1346 Eckelheim“ und leitet das Bestimmungswort vom Personennamen Ecco her. Heimstatt des Ecco also-
Die Namensgleichheit „Egl“ kann hier einleuchtend und zufriedenstellend differenziert werden.
Nicht ganz so leicht ist die Erklärung aber etwa im Falle von Bernau am Chiemsee. Hier kommen nicht zwei völlig unterschiedliche Wörter wie im vorherigen Beispiel in Frage, sondern tatsächlich allein unser Tiername „Bär“. Hans Meixner will sich beim 927 als Pernouuua genannten Namen nicht zwischen dem Personnennamen Pero und dem Tiernamen bero entscheiden. Aber hier hilft höchstwahrscheinlich ein sehr scharfsinniger Vorschlag des Ortsnamenforschers Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein weiter.
In seinem „Lexikon Bayerischer Ortsnamen“ schreibt der Gelehrte, für den Tiernamen „würde sprechen, dass der Name des benachbarten Dorfes Irschen, im 12. Jahrhundert als Wrsen, 1496 als Vrsen und 1553 als Irschen bezeugt, auf das lateinische Adjektiv ursinus = vom Bären, Bären- zurückgeführt werden kann. Damit könnten beide Ortsnamen auf die frühere Anwesenheit von Bären zurückgehen“. Dem schließen wir uns gerne an.
Ob aber nun in Eberloh bei Halfing, Ebersberg bei Bruckmühl und Ebrach bei Pfaffing tatsächlich die männliche Wildsau Pate stand und ob die Hirsche, Rehe, Wölfe, Raben und Krähen Namensgeber waren, zeigen wir in der nächsten Folge.