Der Klang des Wassers

von Redaktion

Das Aighetta-Quartett bei den Bad Aiblinger „Saitensprüngen“

Bad Aibling – Der Klang des kleinen, fließenden Wassers war das Motto im Konzert des aus Frankreich stammenden, vor über dreißig Jahren gegründeten Aighetta-Quartetts beim Gitarrenfestival „Saitensprünge“, ein passendes Thema in einer Kurstadt wie Bad Aibling, wo wenige Meter vom Auftrittsort die Glonn fließt und wo heißes Thermalwasser seine Heilwirkung entfaltet. Die vier Musiker touren weltweit, kooperieren mit internationalen Stars wie John McLaughlin oder dem kürzlich verstorbenen Larry Coryell.

Das Quartett begann mit dem Quartett Opus 21 aus der Feder des italienischen Romantikers und Gitarrenpioniers Ferdinando Carulli, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann, das Saiteninstrument von Paris aus zu etablieren. Zunächst lieblich und anmutig wie ein Spaziergang an einem Wasserlauf, dann dialogintensiv und letztlich temperamentvoller und tanzliedhaft entwickelten sich die Teile Moderato, Andantino und Rondo Allegretto.

Vom Ensemblemitglied Philippe Loli stammte die famose Komposition „Tango del mar“, mit einem grandiosen und eingängigen Leitthema und feinen kreativen Zwischenspielen der Musiker. Wehmut und Trauer und die Ruhe des Meeres charakterisierten das Stück, für das es reichen Applaus gab.

Ein weiterer Komponist, nämlich Robert Delanoff, befand sich im Publikum und betrat kurz die Bühne, um sich für die Interpretation seines „türkischen Volkslieds“ zu bedanken.

Spielerisch, voller klanglicher Überraschungen und mit viel Spannungsaufbau und Dramatik ging es in Richtung Avantgarde, die ihren Kontrast in der populären Overtüre aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ fand, freilich virtuos dargeboten. Im „Granizado de Limon“ steckte ebenfalls das Thema Wasser, freilich als Limonensorbet getarnt und damit passend zu Sevilla, wo es Anfang Oktober am Ufer des Guadalquivír noch fast vierzig Grad hatte. Die Komposition von Aighetta-Mitglied Oliver Fautrat entführte feurig in die Klangwelt des Flamenco, bestach durch rasante Rhythmik und percussives Klatschen, wies aber auch grenzgängerische Elemente der spanischen Klassik auf – ein begeisterndes Stück!

Haifische vermisst man bisher noch in den Bächen der Kurstadt, dennoch war die „Moritat von Mackie Messer“ ein nettes Zwischenspiel. Spektakulärer gerieten „Senso“ von Oliver Fautrat, das an die Tastenkönner der skandinavischen Jazzszene erinnerte, sowie Lolis „Fuego“, ebenfalls mit dem Einsatz der „Palmas“, der Handflächen als Rhythmusgeber versehen und irgendwo zwischen Klassik und modernem Flamenco angesiedelt. Der letztjährige Festivalstar Tomatito hätte seine Freude an diesem Stück gehabt.

Ausklang mit „Carmen“

Mit einem ruhigen „Casa de la fuente“, also dem „Haus an der Quelle“ und der wiederum sehr populären „Carmen“ von Bizet klang ein gelungener Auftritt aus, bei dem das Aighetta-Quartett meisterlich zwischen bekannten Melodien der unterhaltenden Klassik, überzeugenden und mitreißenden Eigenkompositionen und ein paar experimentelleren Ausflügen wechselte.

Artikel 7 von 11