Rosenheim – Für einen idealen Mocca benötige man zwölf Minuten Zeit für die Zubereitung. Zunächst werden die Bohnen mit einer kleinen Kaffeemühle frisch gemahlen für ein feines Aroma, dann das Pulver in ein Töpfchen gegeben und mit Zucker aufgekocht. Was Mulo Francel genießerisch und beinah poetisch über den Moccagenuss verriet, klang wie eine Selbstverständlichkeit. Musikalisch war das gleichnamige Konzertprogramm im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum das Ergebnis vieler Jahre Arbeit auf der Bühne und im Studio.
Herausgekommen ist eine Art musikalischer Koffeinschub, der im Zusammenwirken der kleinen, jazzigen Besetzung mit dem Münchner Rundfunkorchester entstanden war. Schlagzeuger Robert Kainar und Bassist Sven Faller eröffneten den Auftritt mit einem rhythmusgeprägten Intro zur Komposition „Pixinguinha“ von Faller, zu der David Gazarov am Piano und Mulo Francel am Saxofon einstiegen.
Schön swingig und melodisch-weich mit Streicherunterstützung des Orchesters geriet Francels Eigenkomposition „Everything that was“, die er dem Jazzpionier Bix Beiderbecke widmete. Weniger koffein-, vielmehr alkoholorientiert mit ganzen Badewannen voller Gin sei dessen Lebensstil gewesen und so habe er ein frühes Ende gefunden, so Francel.
Im Kontrast dazu und sehr belebend stand das Titelstück der aktuellen Doppel-CD „Mocca Swing“. Mit viel Energie, originellen Wechseln zwischen den jazzigeren Passagen und den Klängen des Orchesters sorgten Komposition und Musiker für originelle Energieschübe, die sich auch in einem Promotion-Kurzfilm im Stil der zwanziger Jahre zur CD wiederfinden.
Den Mocca nimmt man am besten auf einem orientalischen Teppich ein, und so interpretierten Francel und Freunde sowie das Rundfunkorchester den „Flying Carpet“ aus der Musik zur Pharao-Ausstellung, mit viel untergründiger Spannung, orientalischen Klängen und dem Bild langer Kamelkarawanen vor Augen.
Nun kam Enrique Ugarte verstärkt ins Spiel, der nicht nur als Orchesterdirigent wirkte, sondern auch als Virtuose am Akkordeon. „La fiesta“, ein Stück von Chick Corea, geriet fröhlich und dynamisch, das Orchester agierte mit voller Wucht und Stärke und zauberte Stierkampfatmosphäre und spanische Volksfeste in den Saal – mit famosen Saxofonlinien Mulo Francels als Tüpfelchen auf dem „I“.
David Gazarov
liefert Piano-Solo
Es gab viele klangliche Höhepunkte in dem hoch unterhaltsamen Programm, das sowohl ruhigere Balladen – beispielsweise eine Hommage an Goethes italienische Reise – präsentierte wie auch dynamische Passagen, die vor allem von der Rhythmusgruppe Kainar und Faller ausgingen. Ein sehr schönes und mit Extra-Applaus gewürdigtes Piano-Solo steuerte David Gazarov bei.
Darauf folgte ein temperamentvoller, schneller Tango namens „Taquito Militar“, mit einem Wechsel aus sperrigen Pianotönen und eingängigeren Rhythmen des Orchesters. Nach sehr schönen Melodien und swingigen Tönen der „Abenteurer“ und dem Schmelz der „Serenade for Lovers“ durfte ein Mulo-Francel-Dauerbrenner nicht fehlen: Die „Reise nach Batumi“ entfaltete mit dem Rundfunkorchester große Energie im Saal und nahm das Publikum mit ins Schwarze Meer.
Damit noch nicht genug, denn ein besonderes Stück hatten sich Mulo Francel und seine Mitstreiter für die Zugabe aufgehoben: „Spain“, aus der Feder von Chick Corea und legendär interpretiert von Miles Davis, war mit Enrique Ugartes Intro am Akkordeon und einem bestechenden Bigbandsound des Rundfunkorchesters ein echter Höhepunkt.
Die Zusammenarbeit von Mulo Francel und den jazzigen Freunden mit dem großen Orchester und Enrique Ugarte bot ein riesiges Potenzial an Möglichkeiten und erfährt hoffentlich eine Fortsetzung.