Ausdruckskraft und virtuose Frische

von Redaktion

Das Quatuor Hermès aus Frankreich brillierte im Neubeurer Schlosssaal

Neubeuern – Was gibt es Schöneres, als Besucher nach einem Konzert beseelt und beschwingt nach Hause zu gehen? Dem Quatuor Hermès, einem jungen, international renommierten französischen Streichquartett, ist das im Schlosssaal Neubeuern gelungen.

Die vier Musiker besitzen eine enorme Ausdruckskraft, eine spielerische Perfektion und virtuose Frische, die das Publikum beglückte. Auf dem Programm standen Werke von Joseph Haydn, Arvo Pärt und Franz Schubert.

Zunächst spielten Omer Bouchez und Elise Liu (Violine), Yung-Hsin Lou Chang (Viola) und Anthony Konda (Violoncello) das B-Dur Streichquartett op. 76 Nr. 4 von Joseph Haydn, das sogenannte „Sonnenaufgangsquartett“. Mit Dynamik und funkensprühender Energie spielte das Quatuor Hermès den ersten Satz Allegro con spirito. Den ganzen Satz hindurch kontrastierte die weit geschwungene, klanglich ruhige Geigenmelodie zu lebhaft bewegten Tutti-Passagen.

Das Streichquartett hat einen kristallklaren Klang und eine berückende Präzision. Fein, zart und durchsichtig war das Adagio, das eine meditative Ruhe ausstrahlte, fröhlich und ausgelassen das Menuett. Die immer wilder werdenden Wirbel der Streicher in der Final-Stretta hoben die Hörer fast von ihren Stühlen und lösten begeisterten Beifall aus.

Einen faszinierenden Kontrast zu Haydn bildeten die „Fratres for String“ von Arvo Pärt. Der das ganze Werk durchziehende hohe Ton der zweiten Violine, aber auch die langsam an- und wieder abschwellende, gläsern klingende Monotonie der Tonfolgen besaßen etwas beruhigend Sakrales, das auf den Hörer eine fast hypnotische Wirkung ausübte. Das Quatuor Hermès erzeugte einen mystisch-kühlen Hauch, spielte die Töne mit kristalliner Schärfe und Exaktheit. Beim Hörer entstanden Bilder ins Gebet versunkener, murmelnder Mönche, die in einem düsteren Kreuzgang wandeln.

Mit Schuberts d-Moll Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ zeigte das Quatuor Hermès noch einmal seine überragende Dynamik und Ausdruckskraft. Mit ihrer grandiosen Interpretation erzeugten die vier Musiker in allen Sätzen eine düster-dramatische, leidenschaftlich erregte Grundstimmung voller Hoffnungslosigkeit, die nur durch wenige lichte Momente aufgehellt war. Bereits die berühmte abwärtsziehende Triole im Kopfsatz ließ einen das Blut in den Adern gefrieren.

Im Andante con moto besänftigt der Tod das Mädchen in der ruhigen Liedmelodie ernst und tröstlich. Mit spielerischer Meisterschaft und packender Entschlossenheit brachten die Musiker die unterschiedlichen Stimmungslagen der fünf Variationen zum Ausdruck. Im Scherzo, das von rasanter Rhythmik und harten Dissonanzen geprägt ist, erlebten die Hörer einen schaurigen Totentanz, von dem sich das zarte D-Dur Trio wirkungsvoll abhob.

Verzweifelt und abgehetzt war das Finale, in dem die stürmische Jagd in wildem Fatalismus gipfelt und in Moll endet. Das Quatuor Hermès schuf einen ungestümen Klangrausch, spielte mit einer virtuosen Leidenschaft, für die sich das Publikum mit rhythmischem Füße-Stampfen und tosendem Applaus bedankte. Eine heitere Zugabe, der melodisch-folkloristische vierte Satz aus Dvoraks Amerikanischem Quartett, beendete einen fulminanten Konzertabend, an den man sich noch lange erinnert.fü

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