Feuer der Begeisterung geschürt

von Redaktion

Konzert des Chiemgau-Orchesters: Klassiker von Bach, Mozart und Haydn begeistern das Publikum

Prien – Mit Bach, Mozart und Haydn wartete das Chiemgau-Orchester (CHO) in seinem Herbstkonzert im voll besetzten König-Ludwig-Saal auf. Das Programm zog. Zahlreiche Musiklehrer wirkten im großen Ensemble oder solistisch mit, nachdem in den Schulen die Werbetrommel gerührt worden war. Das CHO bescherte den Zuhörern einen großartigen musikalischen Abend.

Unter Leitung des souverän dirigierenden Matthias Linke blühte das 1963 gegründete Orchester, das hauptsächlich aus Laien aller Altersgruppen und Professionen besteht, zu großer Klangvielfalt und Einfühlungsvermögen auf.

Dies zeigte sich schon im Ersten Brandenburgischen Konzert Bachs, BWV 1046 in F-Dur. Hier standen sich zwei Hörner (Veronika Hümpfer und Gerhard Höfer), ein Fagott (Jakob Höfer), drei Oboen (Takahiro Fuki, Sophia Hörberg und Christina Dengg) und eine Geige (Konzertmeisterin Laura Viksna-Geisler) als Soloinstrumente gegenüber – ein- und umrahmt vom Orchester und Cembalo (Herbert Weiß). Auch wenn die Eingangstakte des dritten Satzes rhythmisch etwas verstolpert klangen, so blieb doch der Gesamteindruck haften, dass das Werk höfische Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau ist.

Vor allem im vierten Satz, einer Sequenz von Menuetten, Trios und eingeschobener Polacca, gelang das Konzert überzeugend: Während die Basso-Continuo-Gruppe den Tanzrhythmus vorgab, waren die Streicher die charmanten Begleiter, unterbrochen von „Tanzeinlagen“ der Solo-Instrumente Oboe, Horn und Fagott.

Bei Mozarts Konzert für Oboe und Orchester in C-Dur KV 314 glänzte der Oboist Takahiro Fujii. Fröhlich und anmutig erklang die Oboe, mit schlankem Ton im Allegro, empfindsam, beinahe zärtlich, mit langem Atem und verspielten Verzierungen im Andante und im finalen Rondo wieder übermütig und leicht verspielt, vom Orchester dabei filigran und transparent begleitet.

Finale war dann das Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur (Hob. VIIb:1) von Haydn (1732 bis 1809), bei dem Götz von der Bey mit seinem „Baby“, einem drei Monate alten Cello vom Priener Geigenbauer Werner Hartwig aus Zitterpappelholz gefertigt, brillierte. Der erste Satz im Moderato ist von einem blockartigen Wechsel von Solo und Tutti gekennzeichnet, dann folgt der kantilenenhafte zweite Satz, einem weitgespannten Adagio, den die Violinen mit einer ausdrucksstarken Melodie eröffnen, die das Solocello aufnimmt. Selbst bei den weitgehend hohen Lagen des Soloparts erklang das Cello immer noch samten-weich.

Teuflisch-schnelle Lagenwechsel

Höhepunkt war zweifellos der dritte Satz Allegro molto, der zwar vom Aufbau her dem ersten Satz gleicht, aber merklich schwungvoller ist, und bei dem das Cello mit Läufen, Sprüngen, Verzierungen und teuflisch-schnellen Lagenwechseln gefordert ist. Ruhig klang der Abend mit dem Adagio von Domenico Zipoli, Barockkomponist und Missionar, aus. Ein barockes Bonbon, bei dem Oboe und Cello das solistische „Sahnehäubchen“ waren. Hoffentlich lodert das Feuer der Begeisterung, das die Solisten mit Matthias Linke und seinem Chiemgau-Orchester bei den Konzertbesuchern und vor allem den vielen jungen Zuhörern schürten, noch lange weiter.

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