Wasserburg – Christoph Maier-Gehring hatte als Kulturreferent des Landkreises für die Wasserburger Rathauskonzerte ein originelles Programm im Angebot: Alt und Neu galt es zu verbinden, verkörpert durch das frühbarocke Spiel der Oboen und das jetzt zu Ehren gekommene Saxofon als klassisches Quartett.
Kernelement war die Musik Johann Sebastian Bachs in Übertragung auf eben dieses Instrumentarium und Komponisten wie Heitor Villa-Lobos oder Astor Piazolla.
Charaktervoll präsentiert sich der Klang der Oboenfamilie, vom Barockfagott über die „Taille“, einem Vorgänger des Englischhorns, zu den höheren Varianten des Instruments mit dem strohhalm-dünnen Mundstück. Bisweilen überschneiden sich die Obertöne des näselnden Blasinstruments im Spiel auf Kosten der Klangreinheit.
Rund und voll dagegen tönt der Saxofonchor in Bariton-, Tenor-, Alt- und Sopranlage, und harmonisch klingt dies im vereinten Musizieren, dass die Transparenz von Polyfonie etwas auf der Strecke bleibt – ähnlich wie beim Oboenchor.
Bei Bach hätte sich dies nachteilig ausgewirkt, wenn nicht die Akteure verstanden hätten, zentrale Merkmale aus Kantate, Orchestersatz oder Choral einfühlsam heraus zu schälen: Wenn die Saxofone den Part des Chores übernahmen und die Oboen den Orchesterpart, so ergab dies einen fruchtbaren Gegensatz, und auch umgekehrt hatte dies seinen Reiz. Wenn Bachs „Badinerie“ in verjazzter Version erklang, so schien das für das ursprünglich „schräge“ Instrument wie gefundenes Fressen. Allerdings geriet das Finale des „Italienischen Konzerts“ atemlos, wogegen im langsamen Mittelsatz das Sopransaxofon im Solo neben dezent ostinater Begleitung ungeahnt sakrale Wirkung erzielte.
Bearbeitung geriet
in Vergessenheit
Solch sakrale Wirkung steigerte sich in den Bearbeitungen des Bach‘schen Magnificat-Themas. Als die führende Oboenstimme mit der ursprünglich gregorianischen Hymne des „Meine Seele erhebt den Herrn“ sich schwebend über die anderen Stimmen legte, das Tenorsaxofon volltönend die Melodie übernahm, da vergaß man, dass es sich um eine Bearbeitung handelte.
Die kurze Meditation aus den sechs Schüblerchorälen wirkte eindringlicher als in der Originalfassung für Orgel. Keine Frage: Marc-Antoine Charpentiers Eurovisions-Melodie oder seine Suite, das war Barock pur. Auch Vivaldis Konzert, diesmal unter Mitwirkung des Cembalos, gestaltete sich problemlos im historisch gewachsenen Gestus. Und die Moderne? Das Bemühen, Bachs Geist einzufangen, wirkte bei Heiter Villa-Lobos oder Astor Piazolla etwas akademisch, der Einbezug moderner Elemente im sonst schmissigen argentinischen Tango eher hölzern. Das verhinderten auch die Akteure an Oboe und Saxofon nicht, so virtuos sie in den Bearbeitungen der Stücke von Bach verfuhren.
Carla Schröter leistete als Führende der Oboen – wenn nicht des Gesamtensembles – mit ihren Arrangements gute Vorarbeit, worin Thomas Sälzle, ihr Kollege am Saxofon kaum nachstand. Der Rathaussaal war zum Experimentierfeld geworden, von dem aus sich die Musik wie frisch erfunden anhörte.en