Bad Feilnbach – Was spielt oder singt man vor einem Mozart-Requiem – wenn man überhaupt etwas davor bringen muss. Schließlich stünde dieses Requiem alleine schon gut da. Hans Billo mit seiner Chorgemeinschaft Irschenberg wählte bei dem Konzert in der Pfarrkirche Bad Feilnbach Bach, die Kantate „Brich dem Hungrigen dein Brot“ BWV 39, die mit ihrem Appell zum Teilen und überhaupt zur Nächstenliebe sehr aktuell ist. Eigentlich eine gute Wahl – die aber ihre Tücken hat, wie sich zeigte.
Bach zu singen, ist gerade für einen Chor wesentlich schwerer als Mozart, der gleichsam in die Kehle komponiert. Bachs musikalische Linien sind meist instrumental gedacht. Die Chorgemeinschaft Irschenberg tat sich in dem motettisch-komplexen Anfangschor ein bisschen schwer, bei den ungeschützten Stellen bröckelte der Chorklang etwas, die Höhen wurden recht mühevoll erreicht. Erst im Abschluss-Choral waren die Sänger wieder bei sich selbst.
Dafür punkteten die Solisten: Thomas Ruf mit markant mahnendem, bisweilen etwas massigem Bass, Doris Langara mit vibratoreichem, bisweilen zu vollem Sopran und die Altistin Ursula Bommer mit natürlichem Timbre und natürlicher Gestaltung.
Q12 kommt hinzu: Alles ist nun anders
Im Orchester punzierten Monika Schlierf-Martinolli und Birgit Rosner hübsch ihre silbrigen Blockflötentöne, das Solo-Cello war etwas derb, die Oboe etwas zu laut: Hans Billo hätte da mehr auf klangliche Ausgewogenheit achten müssen und auf mehr Deutlichkeit in der Zeichengebung.
Dann kam Mozart. Dann kamen die jungen Sänger und Sängerinnen des Vokalensembles Q12 des Aiblinger Gymnasiums und die Grassauer Blechbläser dazu: Und alles war plötzlich ganz anders.
Der Chor schien jetzt stimmlich und stilistisch zu Hause zu sein, der Chorklang war sicher und geschlossen, frisch und sorgfältig artikuliert. Die Streicher des Kammerorchesters Dieter Sauer hatten konturierte Schärfe, die Posaunen bliesen beschwörend zum Jüngsten Gericht.
Thomas Ruf verkündete seine „Tuba-mirum“-Warnung prophetisch-zornig, Doris Langara hatte jetzt den passenden vollblühenden Ton für ihre Arien, Ursula Bommers Alt dagegen wurde etwas naiver im Klang, der jetzt hinzutretende Tenor Christian Havel erwies sich als tadelloser heller Oratorien-Tenor, die Solisten-Ensemble-Teile waren homogen und stimmig.
Billo wählte für den bedeutungsschweren Beginn ein maßvolles schreitendes Tempo, im Kyrie erwies sich der Chor als fugensicher, war im „Confutatis“ angemessen erregt und ließ sich im „Lacrimosa“ von seinem Dirigenten zu einer großartigen Steigerung hin zum Wort „reus“, also angeklagt oder schuldig, hinreißen: Der Mensch ist immer schuldig, sündig und braucht Erlösung. Dies musikalisch so deutlich auszudrücken gelang dem Chor gut. So wurde das Konzert doch zum Erfolg.