Wasserburg – Mit „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ hat Frank Piotraschke zum Jahresende einen Literaturklassiker von Michael Ende auf die Bühne gebracht. Dementsprechend voll war es bei der Premiere im Theater Wasserburg. Kinder und Jugendliche in Begleitung von Eltern oder Großeltern ließen sich von dem ebenso ernsthaften wie witzigen Stück in die Welt der Fantasie entführen.
„Es ist uns wichtig, Theater für junge und erwachsene Besucher zu machen.“ Frank Piotraschke
„Es ist uns wichtig, Theater für junge und erwachsene Besucher zu machen“, erklärt Frank Piotraschke, Leiter der Sparte Kinder- und Jugendtheater am Theater Wasserburg. Er selbst hatte eine Inszenierung vor vielen Jahren in München gesehen und den Literaturklassiker eben wegen dessen Eignung für Menschen im Alter „zwischen vier und 99 Jahren“ auf den Spielplan in Wasserburg gesetzt.
So wurde denn viel gelacht, manchmal Tränen. Einige jüngere Besucher rutschten im Laufe der 55 Minuten auf den Schoß von Papa oder Oma. Denn Zauberei, zumal wenn sie „böse“ ist, kann schon gruselig sein. Und böse ist schließlich einer der vier Protagonisten, der Zauberer Beelzebub Irrwitzer (Frank Piotraschke) wirklich: Mit seinen 187 Jahren lebt er in der „Villa Alptraum“, übt sich in Giftmischerei und ist maßgeblich verantwortlich für Seuchen, Waldsterben und Klimawandel auf der Erde.
Um einer Pfändung durch den Abgesandten des „Ministers der Äußeren Finsternis“ (Petra-Lina Schulze) zu entgehen, verbündet sich Irrwitzer mit seiner ebenso bösartigen Erbtante, der Geldhexe Tyrannja Vamperl (auch Petra-Lina Schulze). Gemeinsam brauen sie den „satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“, dessen Rezept jeder zur Hälfte besitzt. Denn: Am Silvesterabend auf einen Schluck ausgetrunken, erfüllt jedes Glas einen Wunsch.
Auf diese Weise möchten sie auch den Kater Maurizio di Mauro (Mike Sobotka) und dem Raben Jakob Krakel (Annett Segerer) loswerden: Diese wurden als Spione vom „Rat der Tiere“ entsandt, um herauszufinden, wer die Welt zerstört.
Natürlich verbünden sich der Kater und der gebrechliche, aber schlaue Rabe, der bei der Geldhexe lebt. Gemeinsam überlisten sie die beiden Bösewichte, sodass am Ende des Stücks das Baumsterben per Wunsch beendet, die Flüsse sauber, Kater und Rabe verjüngt und die beiden bösen Zauberer zum Gegenteil verkehrt sind – ganz ohne moralischen Zeigefinger oder Weltrettungskitsch. Dank des Einsatzes von Raum füllendem Körpertheater, bewusst platziertem Licht und einfach großartigem Spiel ist immer viel Bewegung auf der Bühne – die im Übrigen ganz gut mit nur einem Bühnenbild (Segerer/Piotraschke) auskommt. Schön sind auch die unterschiedlichen Charaktere herausgearbeitet.
Die verschiedenen Beziehungsebenen, das Verwirrspiel von „Gut“ und Böse“ und die moralische Botschaft erschließen sich vermutlich noch nicht den Vierjährigen. Diese werden umso mehr Spaß haben an den Sprachspielen, Wortverdrehungen oder plötzlichen Sprachfehlern und an der dezenten Blödelei – kein Klamauk, aber lustig.