Gegenwärtig dominieren – auch in der so genannten „staden Zeit“ – im Massenmusikbetrieb Power, Lautstärke, Glitzer und Superstardenken. Dagegen setzt die aus Montreal stammende und in Aschau lebende Sängerin Caeroline Landry mit ihrem Lied „Crazy World“ auf Ruhe, Geduld und Liebe und beschwört die Magie der Nacht. Der Song ist auf ihrem Debüt-Album „Who Said“ zu hören, das kürzlich erschienen ist.
Zusammen mit ihrem musikalischen Partner, dem Jazzgitarristen und Arrangeur Philipp Stauber, der ebenfalls in Aschau wohnt, hat sie darauf zehn Lieder gestaltet und auch die Texte dazu geschrieben. Bis auf das französische „Le Temps“ sind sie alle in Englisch, der Sprache, in der die gebürtige Kanadierin am besten zu Hause ist. Stilistisch bewegt sich Landry souverän im modernen Popsong mit starken Einflüssen aus Country, Folk und Chanson. Aber auch Jazziges ist zu hören, was nicht zuletzt an der illustren Besetzung der Band liegt.
Neben Stauber, der filigrane Gitarrensoli beisteuert, sorgen am Piano Matthias Bublath und Martin Kälberer, am Bass Sebastian Gieck und am Schlagzeug Matthias Gmelin für einen atmosphärischen Sound, der die Botschaft der nachdenklich stimmenden Lieder unterstützt. Manchmal bereichert noch die Harfe Hannah Staubers das ausgewogene Klanggeflecht, das der Jazzbassist Sven Faller technisch perfekt aufbereitet hat.
Caeroline Landry führt die Hörer mit ihrer warmen Altstimme, ihrem natürlichen Timbre und ihrer glockenreinen Artikulation durch gehaltvolle Texte voller Melancholie, Lyrik und sprachlicher Bilder. Sie erzählt im Titelsong von Abschied, Trennung und Erinnerung, von Lügen und falschen Versprechungen, lässt aber immer auch Raum für Hoffnung.
Unaufdringlich und trotzdem stets präsent setzt Caeroline Landry mit ihren Texten auf die Kraft der Stille. Dazu entwickelt sie in dem langsam dahinschreitenden „No Fear“ eine eigene Dynamik und singt von der Flamme der Leidenschaft, die nie erlöschen kann, weil immer Streichhölzer in der Tasche sind, um sie neu zu entzünden.
Auf der Basis eines langsamen funkigen Grooves und eines wummernden Orgelsounds von Matthias Bublath fordert Landry in „Alone“ dazu auf, auch als Einsamer im Abseits stehend Verantwortung zu übernehmen und nicht davonzulaufen, weil die Schlachten überall die gleichen seien.
Wie Gedichte erscheinen die Lieder über Liebe, Erinnerungen, errichtete Mauern im Inneren und seelische Erschütterungen, und werden von den Musikern immer kongenial vertont. Die Aufforderung „Fly Away“ wird gegen Ende von jazzigen Klavierimprovisationen unterstützt und das Schlusslied „This Colour“, das von den Alpträumen handelt, die in eine Liebesbeziehung hineinschatten, beginnt mit impressionistischen Klängen und endet mit bluesig-jazzigen Einstreuungen.
Caeroline Landry und Philipp Stauber: Who Said. LC 49973.