Wasserburg – Malerei, Collagen, Skulpturen, Installationen und Objektkunst zum Thema „Reproduktion“ stehen derzeit in der Galerie im Ganserhaus im Mittelpunkt. Die Mitglieder der Wasserburger Künstlergemeinschaft zeigen dort noch bis 7. Januar ihre Arbeiten und damit ihre Sichtweise zu den Phänomenen Nachbildung, Vervielfältigung und Vermehrung in der Kunst.
Für seine Jahresausstellung gibt der Arbeitskreis 68 traditionell ein Thema vor. In diesem Jahr war der künstlerische Fokus auf das Thema „Reproduktion“ gerichtet. Der Wasserburger Künstler Manuel Michaelis hat das Konzept für die 49. Mitgliederausstellung entwickelt. Die inflationäre Bilderflut der Gegenwart und deren digitale Verbreitung bergen laut Michaelis Chancen, aber auch Gefahren. Deshalb wurde die Künstlergemeinschaft unter anderem mit folgenden Überlegungen konfrontiert: Was macht die Bilderflut mit den Betrachtern? Verändert Reproduktion die Wahrnehmung von Kunst? Wird Kunst durch Reproduktion vielen zugänglicher oder geht mit ihr eine Entwertung des Originals einher? 70 Künstlerinnen und Künstler hatten sich für die Mitgliederausstellung mit diesen Fragen beschäftigt und dazu Einzelarbeiten, mehrteilige Objekte und auch einige Bilderserien eingereicht.
Ideengeber Manuel Michaelis selbst präsentiert eine Installation, bestehend aus zwei Einzelarbeiten in Öl mit den Titeln „Cover Girl“ und „Ikarus and his Twins“ und einer Vielzahl gleicher, kleinformatiger Reproduktionen. In den Bildern wird die Ästhetik einer Titelschönheit der Hybris und Angreifbarkeit einer urbanen Gesellschaft am Beispiel der Anschläge auf die Zwillingstürme des World Trade Centers gegenübergestellt. Michaelis hat die Bilderserie zu einer raumfüllenden Darstellung kombiniert, die neben Sitzkissen und Schneekugeln auch eine Videosequenz beinhaltet.
Andreas Irtel wiederum zeigt in seiner Einzelarbeit „Myzel“ die Reproduktionsfähigkeit der Natur, ein Pilzgeflecht, das immer wieder neue Fruchtkörper hervorbringt.
Die Reproduktion der Gedanken hat Siglinde Schelkle mit ihrer Büste „Gedankenaustausch“ aufgegriffen. Aus der Ferne erinnert die Skulptur an einen phrenologischen Kopf. Bei genauer Betrachtung hingegen lässt sich das Krakelee, das Netz der gerissenen Raku-Glasur durchaus mit der netzartigen Reproduzierbarkeit unseres Denkens in Zusammenhang bringen. Die einzelnen Gedanken wiederum sind darunter aufgeschrieben auf Blättern aus Paperclay, einer Mischung aus Papier und Ton, die gleichzeitig als Sockel dient.
An den Ursprung aller Reproduktionen führt Renate Trobisch mit ihrer abstrakten Arbeit „Eine himmlische Reproduktion“, ein stimmungsgewaltiges Bild, das an die Genesis und die Entstehung des Kosmos erinnert.
„Clone Checker“
noch ohne Strom
Mit einer verrückten Maschine aus Holz, Elektrobauteilen und diversen Fundstücken nähert sich Andreas Fischer dem Thema. Ob sein „Clone Checker“ allerdings funktionsfähig ist, konnte mangels einer passenden Steckdose nicht getestet werden. Nützlich sein wird eine derartige Konstruktion auf jeden Fall, sollte sich der alte Frankensteinsche Traum der Menschenreproduktion erfüllen und zwischen Original und Klon unterschieden werden müssen.
Insgesamt zeigt „Reproduktion“ viele bemerkenswerte Arbeiten, die das Thema mit Witz und Ironie, aber auch zum Nachdenken anregend umsetzen und zeigen, dass eine Reproduktion auch ein Original sein kann.
Die Mitgliederausstellung „Reproduktion“ ist noch bis zum 7. Januar in der Galerie im Ganserhaus in Wasserburg donnerstags bis sonntags von 14 bis 19 Uhr geöffnet.