Rosenheim – Der eine, Alex Haas, zupft die Bassgitarre, der andere, Stefan Noelle, schlägt die Trommel, beide singen und plaudern viel dazwischen, zusammen nennen sie sich „Unsere Lieblinge“. Und schnell wurden sie zu Publikumslieblingen in der Rosenheimer Stadtbibliothek. „Weihnachtliches, Winterliches und Wunderliches“ und „garantiert kein bayerisches Adventssingen“ hatten sie versprochen, und genau das boten sie zum großen Amüsement der Zuhörer.
„Es ist ein Ros‘ entsprungen“ kam noch ganz einfach und zart, doch dann wurde es vogelwild, dann jazzten sie sich durch die Schlagerwelt als „musikalische Archäologen“. Wer sang den Schlager vom „Schneemann, der nicht küsst zur rechten Zeit“ von 1964? Und wer „Winter in Kanada“ aus dem Jahre 1966? Die Auflösung folgt am Ende dieser Besprechung.
In einem Trinklied-Medley mixten „Unsere Lieblinge“ den uralten Willy-Schneider-Schlager „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“ mit „No, no, no“ von Amy Winehouse, der diese Devise schlecht bekam, und das Weihnachtslied vom „Little Drummer Boy“ mit „Fernando“. Sie besangen noch schummrig-schöner als Elvis Presley „Blue Christmas“, überraschten sich selber mit Improvisationen zum „Winter Wonderland“ und die Zuhörer mit dem Schlager „Hei, hei, hei, so eine Schneeballschlacht“, damals gesungen von Conny Froboess, das beide als „schamanistisches Schneebeschwörungslied“ ankündigten.
Überhaupt kündigten sie alles sehr, sehr ausführlich-umständlich an, sodass man sich nach noch mehr Gesungenem sehnte. So wie das aberwitzig-furiose Nacht-Lieder-Medley, in dem sich blitzschnell „Abendstille überall“, „Let‘s spend the night together“ und „Moonlight“ aneinanderreihten, „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ tanzten sie den „Tango um Mitternacht“, zu „Besame mucho“ tranken sie „Griechischen Wein“, auf die Frage „Are you lonesome tonight“ kam die Antwort „Guten Abend, gut Nacht“, sie verkündeten, „In einer Nacht voller Seligkeit ist der Mensch nicht gern alleine“ und überhaupt „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“, auch wenn „Lions sleep tonight“.
Das war das fetzige Finale, dem als Zugaben die übergenau artikulierten „Zwei Spuren im Schnee“ folgten, sowie, zusammen mit dem singfreudigen Publikum, nur jeweils die dritten Strophen der Lieblings-Weihnachtslieder – die ersten kennt ja jeder.
Ach ja, die Auflösung der Schlager-Quizfrage: Den „Schneemann“ sang die unvergessene Manuela, den „Winter in Kanada“ die nahezu unbekannte Elisa Gabbai – wieder was Nutzloses gelernt…