Nur selten haben die Vögel Einzug in die Ortsnamen unserer Region gehalten. Dank des Wandels unserer Sprache seit der Ankunft deutschsprachiger Einwanderer ins ursprünglich keltoromanische Gebiet an Inn und Mangfall sowie im Chiemgau, die sich hier nach dem Abzug der Römer im fünften Jahrhundert ansiedelten, ist es auf den ersten Blick oft gar nicht mehr möglich, einen Tiernamen zu erkennen. Umgekehrt kann man auf Grund des Sprachwandels ganz schön auf einen – vermeintlichen – Vogelnamen hereinfallen, etwa mit Meisham bei Eggstätt.
In den „Monumenta Boica“, der berühmten Quellensammlung zur Geschichte Bayerns, erscheint Meisham im Jahre 1135 als Mahilsheim. Diese Bezeichnung enthält allerdings nicht die Meise im Namen, sondern den Personennamen Mahilo. Über die Schreibung „Meishaim“ von 1549 kam es schließlich zu „Meisham“. Als Erklärung bieten wir daher nicht „Meisennest“, sondern „Heimstatt des Mahilo“ an!
Geigereck bei Rimsting sieht auf den ersten Blick nicht wie ein Ortsname aus, der auf einem Tiernamen basiert. Althochdeutsch (750 bis 1050) ekka, mittelhochdeutsch (1050 bis 1350) ecke bezeichnete einen Bergvorsprung oder eine Bergspitze. Also: „Bergvorsprung eines Herrn Geiger“?
Keineswegs, denn seit dem 14. Jahrhundert und später sind uns die Schreibungen Geyrekh, Geyereck und Geiersegk überliefert. Diese alten Schreibweisen verweisen auf den Geier; der Name bezeichnet daher einen „Bergvorsprung, auf dem Geier nisten“.
Nun gibt es hierzu auch eine Schreibweise, die man als Verschreibung des Buchstabens y (oder i) durch g bewerten kann und die daher wohl ursächlich für die heutige – falsche – Schreibung ist: „Geigereck“, in einer alten Pfarrbeschreibung von Prien.
Ein Einklang zwischen Schreibung und Herkunft des Namens existiert aber bei all jenen Orten, deren Namen sich von der Krähe, althochdeutsch kra, kraja, herleitet. Kraimoos bei Erlstätt hat ebenso die „Kroch“ im Namen wie die bekannten Orte Kraiburg und Waldkraiburg. Aber wie sieht es bei uns mit weiteren Vogelnamen aus?
Der Falke hat zumindest als Wappentier der Grafen von Falkenstein der Burg und dem Weiler Falkenstein im Gemeindegebiet von Flintsbach den Namen gegeben.
Von der Taube ließe sich wohl der untergegangene Ort „Taubenwerd“, der im Rosenheimer Steuerbuch von 1445 überliefert ist, herleiten. Hans Meixner stellt in „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ fest, dieser Ort, ursprünglich bei Pfaffenhofen gelegen, sei dem Inn zum Opfer gefallen. Meixner leitet den Namen von der Taube und von althochdeutsch warid = Halbinsel, wasserreiches Land, her und vergleicht diesen Namen mit dem Kautsee, der vor etwafs 600 Jahren choutse hieß und nördlich von Hartmannsberg gelegen ist. Letzterem liegt im Namen ebenfalls die Taube zugrunde, aber in Form von mittel-hochdeutsch chout = Wildtaube.