Magnificat im spannenden Doppelpack

von Redaktion

Wasserburger Bach-Chor singt Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann

Stephanskirchen – Der Wasserburger Bach-Chor pflegt ein breitgefächertes Repertoire. Dafür sorgt mit Augenmaß und leidenschaftlicher Neugier auch auf unbekanntere Werke die Leiterin Angelica Heder-Loosli. Das Jahresabschlusskonzert im Wasserburger Rathaussaal und in der reich geschmückten Kirche St. Georg in Schloßberg stellte nun die beiden Magnificat-Vertonungen von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach im Doppelpack gegenüber.

Telemanns Name ist zwar berühmt, aber wer verbindet mit diesem Namen auch nur ein einziges signifikantes Werk oder wenigstens ein griffiges Motiv? Schnell wurde dem Hörer klar, dass die Aufführung des Telemann-Opus alles andere als nur eine verdienstvolle Ausgrabung bedeutet. Ein höchst eigenständiger Großmeister hat mit dieser Musik eine prächtige Visitenkarte abgegeben!

Zur Einstimmung vor den großen Chorwerken konnte sich das „Bach-Collegium Wasserburg“ mit reinen Instrumentalwerken extra profilieren: In Telemanns Konzert D-Dur wetteiferten die Solisten Marija Hackl (Violine), Birgit Saßmannshaus (Cello) und Christoph Eisert (Trompete) mit viel Sinn für Eleganz, Delikatesse und nobler Virtuosität. Speziell der langsame Satz wurde ein Glanzpunkt: Die weit ausschwingenden Melodiebögen hielt Marija Hackl mit feinstem Bogenstrich unter Spannung. Ähnliches erlebte das Publikum in der berühmten „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 von Bach: Angelica Heder-Loosli nahm die Komposition sehr langsam, sehr leise und zart, die Streicher sparten mit Vibrato – diese „Air“ schien frisch dem Jungbrunnen entstiegen zu sein.

„Meine Seele erhebt den Herrn“, so beginnt der deutsche Text des lateinischen „Magnificat anima mea Dominum“. Beide Fassungen suggerieren sprachlich eine schwebende Leichtigkeit, die sich auch auf die Musik und auf die Sänger übertrug.

Den zahlenmäßig erfreulich großen Bach-Chor erlebte man gleichsam als Kammerensemble: Schlanke, durchsichtige Mehrstimmigkeit, glasklare Akkorde und eine doch in allen Höhen und Tiefen durchgehaltene sinnenfreudige Klanglichkeit – der Chor sang nicht nur richtige Noten, sondern vor allem lebensvolle Töne!

Was dem Chor recht, war den Solisten billig. Die beim Bach-Chor als Gast vertraute Sopranistin Priska Eser bestach durch die überlegene Vornehmheit ihrer Gestaltung. Suggestiv und mit warmer, fülliger Stimme hielt die Altistin Kerstin Rosenfeldt die Hörer in Bann. Der kraftvoll-geschmeidige Tenor Andreas Hirtreiter war kurzfristig für den erkrankten Viktor Schiering eingesprungen. Kein Lückenbüßer, sondern ein erfahrener, klug deklamierender Könner war da am löblichen Werk. Des Bassisten Thomas Hamberger ganz persönliches Timbre ließ die Worte unmittelbar verständlich werden, egal ob auf Deutsch oder Latein. Der geradezu lyrische Abschnitt „Suscepit Israel“ wurde im Terzett von Sopran, Alt und der Mezzosopranistin Almut Czech fein ziseliert und innig gesungen. Im Gegensatz dazu stand das von Andreas Hirtreiter machtvoll verkündete „Deposuit potentes“.

Der Wasserburger Bach-Chor unter der künstlerisch unerbittlichen Leitung Angelica Heder-Looslis hat die ersten 30 Jahre des Bestehens bravourös überstanden und wurde 2016 mit dem Kulturpreis des Landkreises dekoriert. Mit am Erfolg beteiligt sind auch die vorzüglichen Instrumentalisten, seien es die zuverlässigen Musiker des Basso continuo mit Thomas Pfeiffer (Orgel) und Thomas Laar (Kontrabaß) oder die Holzbläser, die den Arien den besonderen Schmelz verleihen.

Mit Vehemenz, Elan und nicht nachlassender stimmlicher Feinarbeit steuert der Bach-Chor mit vollen Segeln in die nächste Dekade.

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