Oberaudorf – Welches Adjektiv könnte diese besondere Stunde in der Oberaudorfer Pfarrkirche beschreiben, die der Inntalchor mit seinem Weihnachtskonzert „Sei uns willkommen, Herre Christ“, allen geschenkt hat? Mildruhig – das ist wohl der richtige Ausdruck für diese romantische Reise durch eine Winternacht, getragen von traditionellen Weihnachtsliedern und von Eigenkompositionen des Dirigenten Hans-Jürgen Doetsch. Allein sein Spiel, sein perlendes Tongebilde, das er am Flügel zauberte, eröffnete einen zutiefst beeindruckenden Blick auf dieses von Wunder vollen weihnachtliche Geschehen.
Mit einer Eigenkomposition des Adventsgedichts von Rainer Maria Rilke „Die hohen Tannen atmen heiser“ eröffnete Doetsch den festlichen Abend mit großem Chor, der ebenfalls in der musikalischen Umsetzung von Rilkes „Advent“ fulminant zur Geltung kam. Umschlossen wurde das Konzert von Liedern aus Franz Schuberts „Winterreise“. Winterdüsteres und Lichthelles prägte die Programmfolge, wobei der Inntalchor auch auf besonders berührende Weise die Schönheit traditioneller Weihnachts- und Volkslieder aufzeigte.
Nichts an Glanz, Dichte und Präzision haben die Stimmen von Hans Petrat (Tenor), Franz Böhm (Bariton) und Hans Gfäller (Bass) verloren. Mildruhig modellierten die Sopranistinnen Anna Resch, Sieglinde Zehetbauer und Susanne Kurz wie auch Sabine März (Alt) ihre Soli, ganz so, als gelte es, das göttliche Kind sachte in den Schlaf zu wiegen.
Über 40 Jahre gestaltet der Inntalchor nun schon das künstlerische Leben in der Region. Dieses weihnachtliche Konzert zeigte einmal mehr, wie Stimmen über die Jahre reifen, sich ausprägen, weiten. Es ist schön und spannend, diesen Werdegang verfolgen zu dürfen: Tosender Applaus zum Dank!