Kolbermoor – Das Meisterkonzert des Kolbermoorer Orgelmittwochs begann und endete heroisch, nämlich mit der „Hymne héroique“ aus der Ballettsuite Jaenne d’Arc von Charles Marie Widor (1844 bis 1917) und dem „Poéme héroique“ von Marcel Dupré (1886 bis 1971), dazwischen kamen Opernbearbeitungen und ein Sturm: ein buntes – man könnte auch sagen vogelwildes – Mischwerk aus Transkriptionen und Originalstücken, wie ein Neujahrskonzert für Orgel. Das sagte selber der Organist Willibald Guggenmos. Der ist in Friedberg bei Augsburg geboren, hat gleich drei Diplome und ist jetzt Domorganist in St. Gallen in der Schweiz. Die sehr vielen Zuhörer in der Kirche Wiederkunft Christi begeisterte er mit stürmisch-musikantischer Spiellust und unbekümmerter Virtuosität.
Das erste heroische Stück war feierlich-marschmäßig, das letzte farbig-düster, „Légende et Final“ des weithin unbekannten William Faulkes (1863 bis 1933) elegisch schön und dann rauschhaft strahlend. Die Transkription der berühmten Bach’schen „Air“ klang etwas unfeierlich-mechanisch, das Präludium und die Fuge G-Dur BWV 541 von Bach fröhlich-festlich.
Die Opernbearbeitungen waren alle aus Opern von Giuseppe Verdi: Im Vorspiel zu „La Traviata“ wirkte dabei die Orgel eher wie eine Kirmesorgel, der Triumphmarsch aus der Oper „Aida“ hatte viel „Schmätterädäng“, das Flehen im Ave Maria aus „Otello“ passte dagegen gut zur Orgel.
Das gewichtigste und erstaunlichste Werk stand in der Mitte: „Scéne champêtre et Orage“, also „Ländliche Szene und Sturm“, des schweizerischen Komponisten Jacques Vogt (1810 bis 1869). Am Anfang standen Vogelgezwitscher mit Echo, ein Gesang der Landleute mit Jodleranklängen, in die zunächst einzelne Regentropfen platzen, dann kommt Wind auf, der Donner grollt und der Sturm bricht los, die Orgel wird mit Faust und Ellenbogen dabei traktiert, am Ende steht ein Dankchoral der Landleute, und der Donner verflüchtigt sich: ein schön plastisch auf der Orgel gemaltes ländliches Bild, das von Guggenmos mit Liebe und Gestaltungskraft gearbeitet war.