Duft und Gern

von Redaktion

Duft und Gern sind Ortsnamen im Landkreis Rosenheim. Mit der üblichen Wortbedeutung haben die beiden Begriffe aber rein gar nichts zu tun.

Es geht bei „Duft“ weder um gute Gerüche noch heißt „Gern“ deswegen so, weil man dort vielleicht gern wohnt. Die Erklärung der beiden Namen liegt in ihrer besonderen Lage begründet.

Der Name Gern begegnet einem in unserer Region zum einen zwischen Klein- und Großholzhausen und ist bereits im Jahre 1507 als „Gern“ belegt. Zum andern gibt es ein Gern bei Roßholzen auf dem Samerberg. Dieses ist Anfang des 15. Jahrhunderts in den Rosenheimer Kastenbüchern als „Gerer von Geren“ notiert. Der Name Gern bezeichnet ein keilförmiges Stück Land, da er seinen Ursprung im Wort „Ger“ für den germanischen Wurfspieß hat. Gern gibt also die Form einer Flur an. „Schaug amoi, wo dee zwoa Bäche zammlaafa“, empfiehlt die Gererin. Und tatsächlich: Zwei Bäche laufen östlich des Gerer-Anwesens zusammen und bilden dort quasi die Keilspitze des Geländes. „Weil‘s do so sumpfig war, hod d’Schwiegamuadda oiwei zu meine Kinder gsogd: „Do is d‘Heell (Hölle). Aber i hob nachad gsogd: s’Paradies!“. Was für eine schöne Spielwiese für Kinder!

Der Ortsname Duft taucht sowohl am Samerberg als auch in der Nähe von Prien am Chiemsee auf. Hans Meixner führt in seinem Standardwerk „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ allerdings „Duft“ nur ein einziges Mal an. Hier handelt es sich eindeutig um Duft am Samerberg, wie es gleich plausibel werden wird. Meixner erwähnt eine Christine Thufflerin, deren Name in den Rosenheimer Scharwerksbüchern aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts genannt ist. Die „Tufflerin“ und den Hausnamen „Duft“ erklärt Meixner mit dem „Tuffstein“, der mundartlich „Tuft“ heißt. Dem Anlaut T liegt im Falle von „Thufflerin“ und – abgeschwächt – „Duft“ lateinisch „tofus“, italienisch „tufo“, beide mit der Bedeutung „Tuff“ zugrunde. Der Tuffstein ist ein poröses Weichgestein und war daher im Bauwesen sehr beliebt. Von unserem Samerberger Duft gibt es Berichte, wonach schon im Mittelalter einige Holzarbeiter am Samerberg in 800 Meter Höhe eine Schutzhütte aus Tuffstein gebaut hätten. Heutzutage ist Duft ein Gasthof („Duftbräu)“ mit einer Kapelle.

Warum meint Hans Meixner mit der „Thufflerin“ aber nicht eine Bewohnerin von Duft bei Prien? Die Antwort wird im Band drei des Priener Heimatbuches gegeben. Duft hieß 1688 „Dufftleiten“. Die „Leiten“ ist ein Abhang, aber der Begriff „Duft“ bezeichnet hier nicht den Tuffstein, sondern mundartlich die „weiche Trespe“ (bromus mollis). Diese Pflanze, die einer Ähre ähnlich sieht, „ist ein einjähriges Raigras, 0,8 Meter hoch, häufig auf Äckern, Wiesen, Brachland“, wie im Heimatbuch aus einem Lexikon zitiert wird. So duftet Duft bei Prien im Sommer nach Heu, Duft am Samerberg von der guten Küche des Gasthofs. Dees hamma Gern(!).

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