Bad Endorf – Ein besonderes Kinoereignis gab es als Sonntagsmatinee in Marias Kino in Bad Endorf. Dort untermalte der Pianist Bernhard Zink live zwei Abenteuerkomödien-Klassiker der Stummfilm-Ära, nämlich „Easy Street“ von Charlie Chaplin und „Never weaken!“ von Harold Lloyd. Bernhard Zink ist in der Region auch bekannt als Akteur der Improtheatertruppe „Das aktuelle Programm“, die ab und an in der Rimstinger Werkstatt auftritt.
Das Kino war gut besucht von großen und kleinen Filmfans und nach einer kurzen Einführung und einem gemeinsamen „Eins, zwei, drei – Film ab!“ startete auch schon „Easy Street“, ein frühes Kleinod des großen Schauspielers und Regisseurs Charles Chaplin.
In dem Film ist Charlie einmal mehr als Tramp unterwegs, gerät in eine Missionskirche und verspricht der Missionsschwester, deren Gesang und Pianospiel (!) ihn begeistert, sich zu ändern. Prompt hat er Gelegenheit dazu, denn in der „Easy Street“ herrscht der Mob, und immer mehr Polizisten werden von einem Hünen verprügelt. Den Hünen verkörperte übrigens der Schotte Eric Campbell, der vom gleichen Theaterleiter entdeckt wurde wie das Duo Laurel und Hardy. Der frisch gebackene Polizist muss es gleich mit dem Riesen aufnehmen, und es gelingt ihm auch mit List und Tücke und der Errungenschaft moderner Gaslampen in der Großstadt.
Ein echter Knüller ist auch Harold Lloyds „Never weaken!“, der auch ein Porträt der dynamischen Aufbruchsphase Amerikas ist, die sich im Hochhausbau in New York zeigt. Lloyd spielt einen Büroangestellten, der sich unglücklich verliebt (in Mildred Davis, die spätere Gattin Lloyds) und sich mehrfach vergeblich das Leben nehmen will. Unversehens gerät er mit seinem Bürostuhl auf einen Eisenträger in luftiger Höhe und muss in der Pionierzeit des Films Stunts vollführen, wie sie heute typisch wären für einen Tom Cruise oder Jason Statham.
Beide Filme zeichnen sich aus durch hohes Tempo, Turbulenzen und viel Situationskomik. Bernhard Zink konnte mit fliegenden Tasten die Nuancen der Filme gut unterstreichen und mit manchem Wirbel die Dramatik des Geschehens auf der Leinwand hervorheben.
Zink berichtete noch von einer Kuriosität bei der telefonischen Verhandlung um die Aufführungsrechte: Er geriet an Susan Lloyd, die Enkelin von Harold Lloyd. Sie war begeistert von der Idee, nicht zuletzt da in dem in Bad Endorf gezeigten Film schließlich ihre Großeltern gemeinsam vor der Kamera gestanden sind.