Stephanskirchen – Der Seiteneingang zum Festsaal des Gasthofs Antretter lag im tiefen Dunkel, sodass viele Besucher etwas verwirrt ohne Kartenkontrolle über die Gastwirtschaft in den Saal hereinkamen. Hell und licht wurde es dann aber beim Jubiläumskonzert zum 30-jährigen Bestehen des Jugendorchesters „Die Arche“, das zuerst die festliche Sinfonia concertante in B-Dur von Joseph Haydn auf dem Programm hatte. Mit ansteckender Begeisterung dirigierte Rainer Heilmann neben Haydn das erste Klavierkonzert in g-Moll op. 25 von Mendelssohn-Bartholdy und nach der Pause Tanz- und Unterhaltungsmusik von Leroy Anderson. Solistin im Klavierkonzert war die erst 15-jährige Chinesin Jiayin Li.
In Haydns dreisätziger Sinfonia concertante durften Martin Kaltenbrunner (Oboe), Pauline Stier (Fagott), Christoph Leonbacher (Violine) und Fabian Bräuer (Violoncello) ihre solistischen Qualitäten unter Beweis stellen. Alle vier Instrumente sind eigentlich ständig im Einsatz und werden von einem groß besetzten Orchester begleitet. Dass Rainer Heilmann auf der engen Bühne überhaupt noch Platz zum Dirigieren fand, grenzte an ein Wunder. Die beiden vom Orchester gespielten bewegten Rahmensätze strahlten fröhliche Frische und Lebendigkeit aus. Der sonore Klang des Fagotts und der nasale Oboenton verbanden sich mit der Violine und dem rauchig dunklen Cello zu einer berückenden musikalischen Einheit. Zu Herzen gingen die sanften solistischen Figurationen im Andante, in dem die Streicher abwechselnd pizzicato und gestrichen begleiteten.
Bewunderung und Staunen erregte die blutjunge Pianistin Jiayin Li im ersten Klavierkonzert von Mendelssohn. Mit Virtuosität und makelloser Präzision brachte die junge Chinesin die beiden effektvollen Rahmensätze des Konzerts zum Erklingen. Da sprudelten, glitzerten und funkelten die auf- und absteigenden Tonkaskaden des Klaviers, dass es eine Freude war, der Solistin zusehen und zuhören zu dürfen. Die ruhigen Passagen im Andante spielte Jiayin Li, in den Zauber der Lyrismen versunken, oft mit geschlossenen Augen. Klangschön begleitete das Orchester, von Heilmann mit Schwung und Herzblut dirigiert, die Pianistin im Presto. Ihr kraftvolles und vorwärtsstürmendes Spiel wurde vom Publikum mit langem Beifall bedacht.
Ganz anders war der Charakter des Konzerts nach der Pause. Im Wechsel spielte das Orchester nicht ohne Sinn für witzige Einschübe melodische, heiter-beschwingte Tanz- und Unterhaltungsmusik des amerikanischen Komponisten Leroy Anderson, darunter „The Typewriter“ und als humoristischer Höhepunkt das von den Streichern miauend intonierte Stück „The waltzing cat“, das Heilmann, der sich Katzenohren aufgesetzt hatte, spürbaren Spaß bereitete. Schmissige Rhythmik besaß der „Marsch der zwei linken Füße“, zum Tanzen animierten ein flotter Foxtrott und eine Rumba. Eine gewagte akrobatische Einlage gab der Dirigent mit einem Sprung auf die Bühne, wo er zum Abschluss unter stürmischem Jubel als kaum wieder zu erkennende „Belle of the ball“ in Frauenkleidern glänzte.