Es muss nicht immer Oper sein

von Redaktion

„The 12 Tenors“ rockten im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum

Rosenheim – Am Schluss tobte die Halle, die mitklatschfreudigen Zuhörer, vor allem die jungen Zuhörerinnen, drängten wie bei einem Rockkonzert nach vorne, klatschten und stampften zu „We will rock you“ rhythmisch mit, johlten und schrien: „The 12 Tenors“ haben wieder zugeschlagen, respektive gesungen, im gut gefüllten Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum, wie seit einigen Jahren immer im Januar.

Ein Tenor muss nicht immer Oper singen, zwölf Tenöre müssen das schon gar nicht. Ein Tenor ist schon imposant, zwölf Tenöre sind eine vokale Wucht. Diese „12 Tenors“ stammen aus Deutschland, Irland, Italien, USA, Polen, vor allem aber aus Großbritannien. Alle haben kraftvolle, manche baritonal klingende Tenorstimmen, so dass es einen abgerundeten Chorklang ergibt.

Jackson trifft

auf Puccini

Diese zwölf Tenöre singen zwar auch Opern-Arien, vornehmlich aber Poppiges, Rockiges, gefühlvolle Balladen und dazwischen typische Tenorlieder – der buchstäbliche Gemüsegarten. Da trifft Michael Jacksons „Thriller“ unmittelbar auf „Nessun dorma“ aus Puccinis Oper „Turandot“ – aber schließlich ist dieser Opernschocker auch ein veritabler Thriller, geht es darin doch um Liebe auf Leben und Tod, und die Schlossmauer der Prinzessin Turandot ist gespickt mit abgeschlagenen Brautwerber-Köpfen. Die Opern-Hits mutieren da schnell zu Mitklatsch- Musikantenstadel-Liadln, und „Delilah“, damals emphatisch gesungen von Tom Jones, verrieten die Tenöre an den banal beschleunigten Walzerrhythmus.

Aber sonst bot das singende Dutzend gekonnt arrangierte Pop-Musik: Sehr gefühlvoll und doch relativ kitschfrei geriet „Gira con me questa notte“ mit dem einzigen Italiener der Truppe, der mit seinen schönen langen Haaren ausschaut wie ein Botticelli-Engel und der einen schön charakteristischen Tenor hat. Dem fast schon zu Tode gecoverten „Halleluja“ verliehen die Zwölf viel authentisches Gefühl und selbst „I did it my way“ klang echt empfunden. „Amazing Grace“ war in einen satten Tenorchorhintergrund gebettet, das Beatles-Medley hatte melodiöse Potenz und diese zwölf Sängerprofis konnten auch die extrem schwere „Bohemian Rhapsody“ von Queen melodisch, harmonisch, rhythmisch und atmosphärisch richtig singen.

Choreografisch war die Show gut gestaltet, vor allem aber ist die Lichtschau im Lauf der Jahre immer ausgeklügelter geworden, die Farben wechseln immer wieder, die Schweinwerfer kreisen und stellen die Sänger oft als attraktive Schattengestalten ins Rampenlicht. Die Tenöre haben selber sichtlich Spaß an ihrer energieprallen Performance, am Ende steigt der Stimmungspegel, vor allem beim abschließenden Rock-Medley, die Lautsprecher werden lauter und die Lichtblitze zucken hektischer, bei der Zugabe öffnen sich die Hemden und die Gürtel fliegen, scherzhaft kündigt der gewichtigste deutsche Sänger an, dass „The 12 Tenors“ das nächste Mal als „Chippendales“ auftreten werden…

Wie war’s?

Elli Breu aus Brannenburg:

Ich hab mir das zum ersten Mal hier angehört und hab wahrscheinlich eine andere Vorstellung gehabt: Mir war alles von Anfang an zu laut, ich hab mich darauf eingestellt, aber der zweite Teil war so ohrenbetäubend, die Lichtblitze für die Augen, ich muss sagen, es hat der ganzen Kunst und den schönen Stimmen geschadet. Foto /Intereview: janka

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