Die „Heimat“ im Namen

von Redaktion

In unserer Region gibt es gleich mehrere Ortsnamen, in denen der Begriff „Heimat“ enthalten ist. Allgemein gesagt: Der Heimatbegriff als solcher hatte in Altbaiern nicht immer die gleiche Bedeutung wie im sonstigen deutschen Sprachgebrauch. Somit wäre zu prüfen, welche Begriffsnuance für diese Ortsnamen zutreffen könnte, und ob der Begriff „Heimat“ hier überhaupt zugrunde liegt.

Im Bairischen gibt es den Heimatbegriff auffälligerweise immer noch als Neutrum: „Das“ Hoamad. Somit wird in unserer Heimatsprache der alte germanische Grammatikstand fortgeführt, denn „Heimat“ kommt vom althochdeutschen (750 bis 1050) sächlichen Wort „heim-uodil“. Zugrunde liegen hier die Wörter germanisch „haima“ = das Heim und „othala“ = der Erbbesitz. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm werden die Begriffsinhalte von „Heimat“ folgendermaßen zusammengefasst: Heimat sei demnach „das land oder auch nur der landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat“. (…). Und nun folgt hier das für unser Bayernland so typische Wortmerkmal: „Selbst das besitzthum heiszt so, in Baiern“.

„Das/S Hoamad“ bezeichnet in Bayern also den eigenen Besitz, zumeist den Bauernhof samt Wiesen, Wald und Feldern. „Die/D Hoamad“ ist der ständige Aufenthaltsort, zumeist der Geburtsort, aber dies nicht immer notwendigerweise: Man kann auch anderswo heimisch werden!

Ob aber nun sächlich oder weiblich: Heimat heißt auf Bairisch immer „Hoamad“.

Somit nehmen wir das quasi als eine von mehreren Testproben für unsere beiden Heimat-Orte.

„Heimatsberg?“, fragt die gebürtige Heimatsbergerin Evi Friesenegger. „I sag dazua ned Hoamadsberg, naa: Es hoaßd Heimatsberg. Aber frag hoid im Ort sejwa nach!“. Gesagt, getan. Selbst nach mehrmaligem Nachfragen antwortet Alfred Krabichler, der anders als die Evi immer noch in Heimatsberg, das in der Nähe von Ellmosen nördlich von Bad Aibling liegt, wohnt: „Hamadschberg“! Also: Weder „Heimat“ noch „Hoamad“: „Hamadschberg“: Das erste a ist ganz hell gesprochen; keine Spur vom Hoamad-oa; das –berg ist betont. Somit scheidet die „Heimat“ als Namensgeberin aus.

Nächster Testfall: Wir schauen ins vom Namen her vergleichbare Heimathshofen, einen Weiler bei Aying und Großhelfendorf. In den Traditionen (Schenkungen) des Bistums Freising erfahren wir für den 20.04.828 von einem Priester „Rihhart“ zu „Heimolfeshofun“ und „Helphindorf“. Heimolfeshofun: Bei den Höfen des Heimolf. Schon wieder kein heimatlicher Hintergrund!

Zuletzt schauen wir auf Heimatsreut, eine Einöde in der Gemeinde Irschenberg. Die heimatlichen Gefühle mögen beim Anblick des nahen pittoresken Wilparting noch so hoch sein: Heimatsreut hieß 1381 Hadermsraut, 1470 Haymatzreitt und leitet sich vom Personennamen Hadamar ab.

Somit ist es wohl keine Überraschung festzuhalten: Sogar das Dorf „Heimat“ aus dem Landkreis Aichach-Friedberg ist keine „Heimat“, „koa Hoamad ned“, sondern die Siedlung beim Wald eines Haimo.

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