Der Kaktus fällt erst ganz am Schluss

von Redaktion

Die „Wiener Comedian Harmonists“ füllen den Kolbermoorer Mareissaal

Kolbermoor –Die Sänger des Wiener Staatsopernchores lassen sich nach Dienstschluss entweder als Beerdigungssänger am Wiener Zentralfriedhof engagieren – oder andere touren als „Wiener Comedian Harmonists“ durch die Lande und treten dann im Mareissaal in Kolbermoor auf, nun schon zum zweiten Male im Rahmen der „Pizzicato“-Konzertreihe. So beliebt sind sie, dass der Saal ausverkauft war.

Fesche Fräcke und

kein Mikrofon

Sie tragen ihre feschen Fräcke professionell, singen ohne Mikrofon, verbeugen sich immer formvollendet und sagen in sanftem österreichischem Tonfall ihre Lieder selber an. Mühelos füllen ihre kraftvollen und gut geschulten Opernstimmen den Raum und sie sind immer gut verständlich, sogar bei den schnellen Liedern mit den Zungenbrechertexten.

Im ersten Teil machen sie noch wenig zusätzliche Show, doch nach der Pause werden sie lockerer und witziger, den „Ali Baba“ besingen sie französisch mit einem Fes auf dem Kopf, ihre ausgedehnte Nasal-Serenade „Creole Love Call“ näseln sie mit dunklen Sonnenbrillen und imitieren gekonnt bei „Stars and Stripes forever“ ein ganzes Blas- und im Brahms’schen Ungarischen Tanz ein ganzes Symphonieorchester.

Sie singen nicht die ganz bekannten Lieder, „Mein kleiner grüner Kaktus“ fällt erst am Schluss als Zugabe vom Balkon, dafür sind sie verliebt in „Marie, Marie am Fenster vis-à-vis“, erzählen ausführlich, was beim „FünfUhr-Tee bei Familie Kraus“ und bei einer „Überland-Partie“ passiert, versichern, „Tag und Nacht denk ich an Dich“ und „So ein Kuss kommt von allein“ und fragen, damit es nicht immer spanisch bleibt: „Wie wär’s mal mit Lissabon?“

Ganz schlicht-schön singen sie „Lebewohl, gute Reise“ und „Guter Mond, du gehst so stille“. Damit sie wechselweise ein bisschen pausieren können, ist das Programm mit Solostücken durchsetzt, die nicht im Repertoire der ursprünglichen „Comedian Harmonists“ sind: Der erste Tenor schmachtet „Dein ist mein ganzes Herz“, der abgrundtiefe Bass besingt den „Old man River“ und der Bariton begleitet sich schließlich selbst auf dem Klavier im witzigen „Opernboogie“ von Fritz Kreisler.

Erst nach drei Zugaben, darunter Werner Richard Heymanns Lied aus dem Ufa-Film „Die Drei von der Tankstelle“ „Ein Freund, ein guter Freund“, lassen die Zuhörer die „Wiener Comedian Harmonists“ gehen – als gute Freunde, die bestimmt wieder einmal nach Kolbermoor kommen werden.

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