Gitarrenkunst im kleinen Kreis

von Redaktion

Evgeni Finkelstein im evangelischen Gemeindehaus Oberaudorf

Oberaudorf – Ein bemerkenswertes Konzert auf der klassischen Gitarre gab der Moskauer Musikprofessor Evgeni Finkelstein im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus in Oberaudorf. Der Gitarrenvirtuose spielte einen Tag vor seinem Auftritt im Münchner Gasteig im kleinen Kreis eines sachverständigen und begeisterten Publikums. Es lauschte dem virtuosen Spiel so gebannt, dass selbst leiseste Stellen einiger moderner Kompositionen wie von Nikita Koschkin ohne alle technischen Hilfsmittel jederzeit gut zu hören waren.

Der erste Teil bestand aus Kompositionen von Musikern, die an englischen und französischen Königshöfen wirkten (Dowland, Purcell, Abel, Marais und Forqueray). Sie hatten die Kompositionen nicht für die Gitarre, sondern entweder für die Laute oder die Viola der Gamba verfasst. Sie sind von Evgeni Finkelstein für die klassische Gitarre gekonnt bearbeitet worden. Man fühlte sich fast in königliche Gemächer versetzt, wenn man dem strengen formalen Stil dieser Renaissancemusik lauschte.

Im zweiten Teil kamen mit Werken von Luigi Legnani und Mauro Guiliani Musik von zwei Komponisten der im 19. Jahrhundert zur Blüte gelangten klassischen italienischen Gitarre zu Gehör,. Dann schwenkte Evgeni Finkelstein über bearbeitete russische Volkslieder des 19. Jahrhunderts dann in die Moderne und präsentierte mit Nikita Koschkins Passacaglia und Toccata „Der Sturz der Vögel“ seine feinfühlige, im Tempo und Lautstärke bis zur Flageoletttechnik reichende, variantenreiche Virtuosität.

Begeisterter Applaus und Ovationen bewirkten mehr als drei Zugaben, eine davon (von Stenka Rasin) mit Gesang. Finkelstein wies nach der zweiten Zugabe dezent darauf hin, dass jetzt das Konzert beendet sei und nur noch ein Spiel vor Freunden stattfinde. Schließlich beendete er das phänomenale Konzert, als er ohne sein Instrument den letzten Beifall entgegennahm.

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