„La Traviata“ von der Münchner Au

von Redaktion

„Opern amoi anders“ im Krippnerhaus in Edling

Edling – Ganz ohne Gesang präsentierten sich die „Opern amoi anders“ im Krippnerhaus in Edling. Statt Arien und Chor gaben drei Erzähler durchgehend witzige und manchmal auch leicht frivole Geschichten rund um die Heldinnen und Helden weltbekannter Opern und Operetten zum Besten.

Vorgemacht hat es Paul Schallweg (1914 bis 1998). Insgesamt 26 Opern hat der Münchner Schriftsteller und Kulturmäzen ins Bayrische verfrachtet und deren Libretti in originelle Mundartverse umgeschrieben. Deshalb trifft man Schallwegs Protagonisten nicht an den großen Orten der Geschichte, sondern am Tegernsee oder in Starnberg. Dabei sind deren Erlebnisse die gleichen. Es geht um Liebe, Eifersucht und manchmal sogar um Mord und Totschlag.

„Das können wir hier in Edling auch“, dachte sich Dr. Hans Küsters. Mit Max Dietrich fand der ehemalige Veterinär und Autor einen ehemaligen Lehrer als Erzähler und Co-Autor. Jetzt fehlte nur noch eine sympathische Erzählerin. Die wurde mit Leni Böhm gefunden, die als Mitglied der Kabaretttruppe „Grampfhennangschnoder“ über Bühnenerfahrung verfügt. So fanden drei grandiose Mundartsprecher zusammen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, wie jetzt die zweite Folge der „Opern amoi anders“ bewies. Diesmal standen Johann Strauß` „Fledermaus“, Guiseppe Verdis „La Traviata“ und „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar im Mittelpunkt.

In der „Fledermaus“ erweckte das sprachbegabte Trio Notar Dr. Falke, Syndikus Gabriel Eisenstein, dessen Gattin Rosalinde und die anderen Figuren zum Leben. Die lieferten sich dann auf Bairisch ein urkomisches Wortgefecht zu Liebe und Treue im Allgemeinen und außerehelichem Begehren im Besonderen.

Weitaus ernster, aber nicht weniger unterhaltsam, wurde die Geschichte von „La Traviata“, italienisch für „die vom Wege Abgekommene“ aus der Münchner Au erzählt. Statt Violetta heißt die Hauptperson Lilly, eine Edel-Prostituierte, die für die Liebe ihr verruchtes Leben aufgibt. Als sich aber der Vater ihres Geliebten einmischt, zerbricht die Beziehung und Lilly stirbt an der Schwindsucht.Auch die Münchner Vorstadtversion von Verdis „La Traviata“ war an Tragik kaum zu überbieten. Sensible Geister haben vielleicht ein schlechtes Gewissen gehabt, sich über den Ernst der Handlung zu amüsieren. Doch die Verse waren einfach zu gelungen.

Und mit der „Lustigen Witwe“ wurde es noch lustiger. „In Bayern in der Staatskanzlei, sitzen der Beamte drei“, hieß es dort weiter. Die Staatsdiener wollen den Staatsbankrott verhindern, und dazu käme das milliardenschwere Erbe der lustigen Witwe Hanna gerade recht. Also wird Graf Dani auf die Milliardärin angesetzt. Der aber erkennt in der lustigen Witwe seine einstmals große Liebe. Weil sie aber arm war, durften die beiden nicht heiraten. Nach vielen Verwirrungen und Verwechslungen kommen Dani und Hanna schließlich doch noch zusammen.

Das Wasserburger „Trio Tonale“ besetzte den Platz des Opernorchesters. Ernst Hofmann am E-Piano hatte die bekanntesten Opern- und Operettenmelodien neu arrangiert und dabei auf den Wiedererkennungswert der Originale geachtet. Auch wenn auf „Da geh‘ ich ins Maxim“ mit „Atemlos durch die Nacht“ Schlagertakte folgten, war dies ein durchaus amüsanter Stilbruch. Begleitet wurde Ernst Hofmann von Gerlinde Hofmann am Bass und Stefan Schrag am Saxofon. Opernthemen, Jazz-Standards und zeitgenössische Impressionen mischten sich zu einer charmanten Salonmusik, genau die richtige Entspannung zwischen den haarsträubenden Erlebnissen der bajuwarischen Opernheldinnen und -helden.

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