Die Fastenzeit beginnt. Manche fassen neue gute Vorsätze. Gewiss haben sich auch schon viele in der Neujahrsnacht einiges vorgenommen, was sie im neuen Jahr anders machen wollen. Doch wenn wir zurückblicken auf den Jahreswechsel 2016/2017 oder auf die Fastenzeit 2017: Welche von den damals gefassten guten Vorsätzen haben wir umgesetzt? Sehen Sie. Gute Vorsätze sind lobenswert. Aber grau ist alle Theorie, und erst die Praxis zeigt, was die guten Vorsätze wert und ob sie verwirklichbar sind.
Damit beschäftigt sich Notker Wolf. Der frühere Erzabt des Benediktiner-Missionsklosters St. Ottilien am Ammersee war von 2000 bis 2016 Abtprimas der benediktinischen Konföderation in Rom, Oberster aller Benediktiner, und ist nun wieder in die Heimat zurückgekehrt. Der nunmehr 77-Jährige bietet mit seinem neuen Werk eine Art Knigge für den Umgang mit guten Vorsätzen. Ihm geht es um Erkenntnisgewinn, woraus er folgert: Geduld statt Aktionismus. Gewürzt wird sein Buch mit Sprüchen wie: „Neujahrsvorsätze sind Startschüsse für Rennen, die ohnehin nicht stattfinden.“ Auch verstreut er im Buch nicht ganz ernst gemeinte Vorsätze wie: „Wenn Sie sich für dieses Jahr mehr vorgenommen haben – überstürzen Sie nichts – übermorgen ist auch noch ein Jahr.“
Eingehend beschäftigt sich der Mönch mit den sozialen Netzwerken und ihren Gefahren, die gerade bei Jugendlichen zu Abhängigkeiten führen können. Wolf selbst, dem Neuen durchaus aufgeschlossen, war auch auf Facebook, hat es aber nach den Nachrichten-Bombardements wieder gekündigt. Auch zu Whatsapp, dem „Zeiträuber You Tube“ und Twitter gibt er Verhaltensempfehlungen: die Internet-Zeit zugunsten der eigenen zu reduzieren: Computer und Internet soll man als das nutzen, was es ist: nicht Zeitvertreib, sondern Werkzeug.
Für ganz wichtig hält Wolf die Musik. Er spielt Querflöte und singt, und bereicherte damit in den 1980er und 1990er-Jahren außer mit seinen Diskussionsbeiträgen manche Talkshow von Dr. Georg Schreiber in der Oberaudorfer Krebsnachsorge-Klinik Bad Trissl. Dort berichtete er dem amüsierten Publikum auch, dass er zudem in der Schüler-Rockband von St. Ottilien E-Gitarre spielt – und war sogar mit der Rockband Deep Purple bei „Smoke on the water“ auf deren Bühne!
Aber zurück zu den guten Vorsätzen, zu denen auch gutes Benehmen gehört, zum Beispiel der Umgang mit dem Handy. Wolf: „Muss man sich wirklich überall und öffentlich mit dem Smartphone am Ohr präsentieren? Ich verstehe ja, es ist trendy, ein Zeichen, dass man dazugehört. Es kann aber auch peinlich sein, und vor allem unhöflich, wenn man sein Privatleben öffentlich ausbreitet und seine Nachbarn belästigt. Wenn ich in München mit der U-Bahn unterwegs bin, ist meist die Hälfte meiner Mitreisenden damit beschäftigt, privat zu telefonieren, ohne Rücksicht auf die Ohren der Nachbarn. Mein Vorsatz oder Vorschlag lautet: ,Nie mit dem Smartphone öffentlich telefonieren‘. Für Rückrufe gibt es schließlich die Mobilbox, aber nur im privaten Raum.“
Dem ist nichts hinzuzufügen, und es wäre schön, wenn sich im neuen Jahr mehr Zeitgenossen diesen Vorsatz zu Herzen nähmen.
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Notker Wolf unter Mitarbeit von Alfons Kifmann: „Gute Vorsätze – Beim nächsten Mal wird alles anders“, Gütersloher Verlagshaus 2017, gebunden, 188 Seiten, ISBN 978-3-579-08545-6; 16,99 Euro. hh