Minimalismus mit großem Reiz

von Redaktion

Bilder von Raimund Reiter und Objekte von Walter Weer in der Galerie Markt Bruckmühl

Bruckmühl – Schwarz-Weiß-Denken kann man der Galerie Markt Bruckmühl gewiss nicht nachsagen. Schwarz-Weiß-Sehen wird in der aktuellen Ausstellung jedoch gezielt erreicht. Das gilt durchgängig für die Radierungen und Kohlebilder von Raimund Reiter, der den Schwarz-Weiß-Gegensatz gekonnt in Szene setzt. Selbigem widmet sich auch Walter Weer mit seinen Objekten maßgeblich. Nur selten greift er zum Einsatz von farblicher Akzentuierung. So ist die Werkschau der beiden Künstler zurückgenommen, dabei von erstaunlich anziehender Tiefe in ihrer Monochromie. Ein Statement des Minimalismus mit großem Reiz.

Raimund Reiter wurde 1950 in Eichendorf geboren. Der Diplom-Betriebswirt und Volksschullehrer widmete sich als Autodidakt der Grafik und Malerei und richtete 1984 ein druckgrafisches Atelier in der Nähe von Landshut ein.

In der immensen Menge der Farben wirken zwei Schattierungen wie ein winziger Ausschnitt der Optionen, eine Limitation. Mit seinen Bildern tritt Reiter den Gegenbeweis an, zeigt welche Vielfalt, Variantenreichtum und zwingende Tiefe das Kontrastpaar Schwarz und Weiß ermöglichen, welche Magie sie entfalten zwischen heller Leichtigkeit und dem Zauber der Finsternis. Reiter abstrahiert stets. Luftig geraten seine Strichätzungen, „Knotengeflechte“, hingehauchte Vernetzungen, deren Zusammenhalt noch gegeben ist, sich aber nur noch schemenhaft nachvollziehen lässt.

Die Natur steht in anderen Werken Pate, bei „Wiesenstücken“, die wie ein Fotonegativ einzelner Grashalme wirken. Dabei handelt es sich um Kohlezeichnungen. Eben jene zeichnen sich durch eine große Anziehungskraft aus, entfalten einen geheimnisvollen Sog, lassen das wenige Licht, die verwobenen Formen, durch die umrahmende Dunkelheit umso mehr strahlen.

1941 wurde Walter Weer in Wien geboren. Er absolvierte dort ein naturwissenschaftliches Studium und besuchte die Hochschule für Angewandte Kunst. Nach frühen Erfolgen mit Zeichnungen wandte er sich Skulpturen zu. Weer hatte Mitte der 90er-Jahre eine Gastprofessur an der Hochschule der Bildenden Künste in Budapest inne.

Papier war zuerst Weers Material der Wahl. Dieses ergänzte er bald mit Schnüren, Holz und Spachtelmasse. Dabei setzt er nicht mehr Gebrauchtes, nicht mehr Beachtetes ein – Schachteln, Verpackungen, weggeworfene Materialien, die er weltweit findet und sammelt. Er kombiniert das, was andere vielleicht als Müll betrachten würden zu etwas Neuem, zu Wandobjekten etwa, nach geometrischen Formen, verschnürt als quasi-abgeschlossene Einheit wirkend, die durch die Einblicksmöglichkeit zur Entdeckung reizt, bei der Zahlen oder Textfragmente weiter die Neugier wecken. Das Rad, Zeichen von Fortschritt und Mobilität, spielt ebenso eine große Rolle in Weers Werk, erscheint jedoch teils instabil, unvollständig, eher notdürftig konstruiert, mit gezackten Elementen, teils auch wieder durch Schnüre zusammengehalten. Letztere generieren mit Schattenspielen eine weitere Dimension und sind natürlich besonders in einem raumhohen Objekt präsent, einer von Weers „Reusen“. Durch die Arrangements wirken die Fundmaterialien des Künstlers, eigentlich Zivilisations-Überbleibsel, erstaunlich altertümlich, fast wie aus einer anderen Zeit.

Zu sehen sind die Werke in der Galerie Markt Bruckmühl, Sonnenwiechser Straße 12, noch bis Sonntag, 4. März, jeweils Mittwoch von 14 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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