Von Kunz von Rosenheim bis Bumillo

von Redaktion

Spaziergang durch die Rosenheimer Literaturgeschichte in der Stadtbibliothek mit Katharina Neumeier

Rosenheim – Die Literatur lebt: Auf Einladung der Stadtbibliothek und des Historischen Vereins Rosenheim machten drei junge Damen in der Stadtbibliothek einen kurzweiligen und hochinteressanten Spaziergang durch die Literaturgeschichte Rosenheims. Katharina Neumeier, die im Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim (IGG) Abitur gemacht hat und jetzt Germanistik studiert, hat ihre Bachelor-Arbeit darüber geschrieben. Mitgebracht hatte sie ihre Schwester Johanna, die mit kurzen Stücken am Cello für musikalische Pausen sorgte, und Sarah Fischbacher, die ausgewählte Passagen aus der vorgestellten Literatur ausdrucksvoll las.

Katharina Fischbacher verwendete in ihrer Darstellung einen stark erweiterten Literaturbegriff und legte den geografischen Raum Rosenheim großzügig aus. So fanden der Codex Falkensteinensis, aber auch Tagebücher der Äbtissin Maria Magdalena Haidenbucher aus Frauenchiemsee und die Mirakelbücher von Tuntenhausen und Kirchwald Erwähnung sowie die Journalistin Maria Berchtenbreiter, die in der NS-Zeit viele Artikel für das damalige Rosenheimer Tagblatt und auch einen „Klepperboot-Roman“ schrieb, bis zu den Heimatromanen eines Hans Ernst, immerhin einer der der erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit mit Millionenauflagen, und den heutigen Heimatkrimis etwa von Thomas Bogenberger, Heinz von Wilk und dann auch Andreas Karosser, dessen „erotische Heimatkrimis“ aus Bad Feilnbach jüngst viel Aufmerksamkeit gefunden haben.

Ganz eifrig beim Bücherverbrennen

Ebenso sprach sie von dem Bauerntheaterdichter Alois Bach (1863 bis 1938), dem Gründer und Leiter des „Rosenheimer Bauerntheaters“. Sie erzählte von den Lesegesellschaften, von denen eine im 19. Jahrhundert am Max-Josefs-Platz beheimatet war, und auch davon, dass Rosenheim in der NS-Zeit ganz eifrig beim Bücherverbrennen war.

Mit fast atemloser Begeisterung und sorgfältig charakterisierenden Formulierungen warf Katharina Neumeier Schlaglichter auf einige der Literaten: Im Codex Manesse, der Sammlung mittelalterlicher Minnelieder, finden sich sechs Strophen von Kunz von Rosenheim, die Katharina Neumaier und Sarah Fischbacher in mittelhochdeutscher und moderner Sprache vortrugen. Hochamüsant war ein Text von Erwin Schmidhuber (1866 bis 1937), einem unter dem Pseudonym „Michael Kohlhaas“ dichtenden Beamten aus Rosenheim, über einen Pfarrer, der wegen einer dreipfündigen Forelle zu spät zur Messe kam und dann, weil der Fisch in dem Talar wieder lebendig wurde, diesen am Altar erst töten musste.

Von Gustl Laxganger, der eine „Herold-Funktion“ als Rosenheimer Heimat-Schriftstellerin attestiert wurde, las Sarah Fischbacher „Ebbs Lustigs vom Tod z’Nußdorf“ und von Uwe Dick, dem selbsternannten „Wortmetz“, einen eindrucksvollen Text zu Musik von Schostakowitsch – was ein besserer Schluss gewesen wäre als der Ausschnitt aus dem Heimatkrimi „Über den Dächern von Rosenheim“ von Hannsdieter Loy.

Vom Minnesang schlug Katharina Neumeier einen großen Bogen zum heutigen „Poetry Slam“, auch der sei eine Art Sängerwettstreit – wie damals der Sängerkrieg auf der Wartburg. Sie erwähnte hier den Rosenheimer Christian Bumeder, genannt „Bumillo“, von dem man gerne am Schluss ein Gedicht gehört hätte.

Die vielen Zuhörer in der Stadtbibliothek hörten 90 Minuten aufmerksam zu und spendeten am Ende langen herzlichen Applaus.

Wie war’s?

Roland Feindor aus Rosenheim:

Es war faszinierend, die drei jungen Damen zu sehen und zu hören, die sich so für die lokale Geschichte interessieren. Man denkt ja immer, die jungen Leute haben was ganz anderes im Kopf. Die Auswahl war wahnsinnig schwierig. Es gibt viele Dinge, die man als Rosenheimer kennt und weiß, wie die Gustl Laxganger und den Uwe Dick, dann fehlt aber zum Beispiel einer bei mir, der Otfried Preußler, der Jahrzehnte in Stephanskirchen gelebt hat und wirklich der meistgelesene Rosenheimer im Umkreis ist. Aber insgesamt war es ein faszinierender Abend.INTERVIEW UND FOTO: JANKA

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